Schon gewusst? Wikipedia heute: Tafellied

Die Melodie eines Tafellieds sollte unter den Festgästen bekannt sein.

Diese Zeile steht heute auf der Startseite der deutschsprachigen Wikipedia unten in der Rubrik Schon gewusst?, um Neugier zu wecken.1

Der Wikipediaartikel Tafellied ist neu. Er entstand am 14. Juni2 auf Grundlage der Tafellieder in der SLUB3, Transkriptionen mit der Wikisource-Gemeinschaft4, Funden in sächsischen Archiven und Blogbeiträgen, um die Literaturgattung wieder bekannt zu machen.5 Spannend ist vor allem, was seit der Veröffentlichung mit dem Artikel passiert.

Der Artikel wurde am 20. Juni für die Startseitenrubrik Schon gewusst vorgeschlagen und erst skeptisch kommentiert. Die Herausforderung: Es gibt sehr wenig Literatur über Tafellieder, um Aussagen belegen zu können ohne grundlegend neue Forschung zu publizieren. Der Tafellied-Artikel ist gleichwohl ‘Stand der Forschung’. Denn der Text in der Wikipedia wuchs durch die Bearbeitungen und die Recherchen Dritter.6

Solche Dynamiken der Kommunikation und Wissensproduktion sind mit die wichtigsten bzw. wertvolle Wirkungen von Wikipediaartikeln für z. B. landesbibliothekarische Themen aus Sachsen. Tafellieder gab und gibt es in vielen Gegenden, was eine Suche im Archivportal-D beweist.7 Ein räumlicher Schwerpunkt der Erschließung ist seit ein paar Jahren die SLUB Dresden durch uns im Saxonica-Referat und engagierte Kolleginnen im Sächsischen Staatsarchiv.

Tafellied gesucht 1897
Neues Tagblatt und General-Anzeiger für Stuttgart und Württemberg, 1897-09-25, Nr. 224, S. 8, via Wikimedia Commons.

Ob Tafellieder in Sachsen8 tatsächlich öfter gedichtet und gesungen wurden als bspw. in Berlin, Wismar, Stuttgart9 und Thüringen10, kann man nicht einfach ableiten. Solche Fragen sind offen.

Für Grundlagenforschung fehlen uns Zeit, Auftrag und Ressourcen: Wir stehen am Anfang der Lernkurve Tafellied und am Anfang der Wissensproduktion. Neugier und Interesse können wir wecken. Die bibliografische Erschließung für die Sächsische Bibliografie läuft.

Wikipedia:

Ein Tafellied ist ein Lied, das für eine bestimmte festliche Gelegenheit gedichtet wird, um gemeinsam bei einer Liedertafel oder sonstigen Tafelrunden gesungen zu werden.11

https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tafellied&oldid=268551514

  1. De.Wikipedia: Archiv der Rubrik Schon gewusst, 06. Juli 2026, https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite/Schon_gewusst/Archiv. []
  2. Wikipedia: Tafellied, 14. Juni 2026, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tafellied&oldid=267933637. []
  3. Daniel Fischer: Tafellieder sind kulturelles Erbe – Sammlung in der SLUB Dresden, Saxorum, 30. September 2025, https://doi.org/10.58079/14tm6. []
  4. Wikisource.de: Tafellieder, https://de.wikisource.org/wiki/Tafellieder. []
  5. Thekla Kluttig: Tafellieder – eine noch zu entdeckende Textgattung, SAXARCHIV-Blog, 16. Juni 2025, https://doi.org/10.58079/144tk. []
  6. Wikipedia: Versionsgeschichte des Artikels ‘Tafellied’, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tafellied&action=history. []
  7. Archivportal-D: Tafel*lied, https://www.archivportal-d.de/objekte?query=Tafel*lied []
  8. Beitragsbild: Tafellied und Mundart – in „Keeniglich Säcksische Värsche“, SLUB Dresden, Hist.Sax.H.350,40.g,11 []
  9. WLB Stuttgart: Neues Tagblatt und General-Anzeiger für Stuttgart und Württemberg, 1897-09-25, Nr. 224, S. 8, http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/kxp1811805795-18970925/page/8. []
  10. Schulportal Thüringen: Tafellieder – Informationen, Digitalisate und Einsatzmöglichkeiten im Bildungsbereich, 2026, https://www.schulportal-thueringen.de/media/detail?tspi=18946. []
  11. Günter Kempcke, Ruth Klappenbach, H. Malige-Klappenbach: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. Band 5. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2022, ISBN 978-3-11-257820-9, S. 3681. []

Aus der Blogosphäre: Bibliotheksbestände im und mit dem Wikiversum sichtbar machen

Im Hypotheses-Blog “Digital Humanities am DHIP” (= Deutschen Historischen Institut Paris) berichtet die stellvertretende Direktorin und Bibliotheksleiterin Mareike König von einem aktuellen Projekt zur Veröffentlichung von Quellen aus dem Bibliotheksbestand im Wikiversum. Unterstützung kommt dabei von SXRM-Redaktionsmitglied Jens Bemme als “Wikimedian in Online-Residence”. Der Praxisbericht reflektiert die “ersten Gehversuche: Edits, Stolpersteine, Erfolgserlebnisse und lessons learned.”

Bibliotheksbestände mit Wikisource sichtbar machen. Erste Schritte, Stolpersteine und Erfolge


Beitragsbild: Hintergrundvisualisierung für den 10. Geburtstag von Wikidata, entworfen von der Agentur MOR, Ausschnitt (Wikimedia Commons/Lea Lacroix (WMDE), Lizenz: CC BY-SA 4.0)

WikiRemembrance Barcamp: Methoden für das Wissen über den Nationalsozialismus

Von Jens Bemme

Wie gelingen Einstiege? Einen Zugang zur Arbeit mit Wissen in Wikis – wie findet man den? Wie vermitteln wir Anstöße und dann nächste Schritte für die Nutzung und Mitarbeit in Wikipedia und Wikidata, Commons oder in der Wikiversität, digital und/oder analog?

Ein Beispiel:

Buecherverbrennung-flugblatt

Flugblatt des NS-Studentenbundes, das 1933 zur Bücherverbrennung verbreitet wurde.

„Wider den undeutschen Geist!“

Das Flugblatt Wider den undeutschen Geist! der Deutschen Studentenschaft zur Bücherverbrennung 1933 wurde 2008 in Wikisource transkribiert, der Wikipedia-Artikel Bücherverbrennung 1933 in Deutschland ist dort in den Textdaten verlinkt. Dieser Artikel verweist selbst auch auf das Flugblatt in Wikisource und die Zusammenhänge.

Mehr Transkriptionen solcher Quellen wären leicht zu erstellen, um Wikipedia-Artikel zu ergänzen oder um den Zugriff z.B. für Lehrmaterialien zu vereinfachen.

Zwischennutzung

Die Portale und Werkzeuge der Wikimediabewegung stehen frei zur Verfügung, aber ihr Einsatz für Erinnerungsarbeit und Bildungsprojekte ist noch nicht selbstverständlich. Vor dem ‘Wie?’ steht die Frage nach dem ‘ob?

Wie passen Bildungsarbeit, frei editierbares Wissen, Erinnerungskulturen und Gedenkstättenarbeit zusammen? Weiterlesen

Digitale Landeskunde: A Global Project

Eine Rezension zu Laurie M. Bridges/Raymond Pun/Roberto A. Arteaga (Hgg.): Wikipedia and Academic Libraries: A Global Project. Ann Arbor: Maize Books, 2021, DOI: 10.3998/MPUB.11778416, sowie Laurie M. Bridges/Clara Llebot: Librarians as Wikimedia Movement Organizers in Spain. An interpretive inquiry exploring activities and motivations. In: First Monday 26 (2021), H. 7, DOI: 10.5210/fm.v26i3.11482, verfasst von Jens Bemme

Cover of Wikipedia and Academic Libraries (page 1 crop)

“Wikipedia and Academic Libraries: A Global Project”, edited by Laurie M. Bridges, Raymond Pun and Roberto A. Arteaga, 2021, Wikimedia Commons, CC BY SA 4.0.

Landeskunde global? Der englische Sammelband Wikipedia and Academic Libraries: A Global Project bietet in erster Linie viele andere Perspektiven für Rezensionen, Reflektionen, Projektideen und für eigene Spekulationen. Ausgehend von Saxonicaprojekten in Wikisource und Wikidata suchen wir aber einmal mehr Landeskundliches in den vorliegenden Fallstudien aus Brasilien, Kanada, Hongkong, Irland, Kirgisistan, Mexiko, Niederlande, Nigeria, Schottland, Spanien und den USA – achtzehn Berichte von Wikipediaprojekten in der akademischen Lehre, von Projekten außerhalb des Seminarraums, in Kooperationen wissenschaftlicher Bibliotheken mit Wikipedianer:innen und schließlich von Projektbeispielen der Wikipedia-Schwestern Wikisource und Wikidata. Es geht dabei um Menschen in Bibliotheken, ihre Themen, Methoden, Ziele und Wirkungen – und damit auch um Wissen für Saxorum und für die Sächsische Landeskunde. Die SLUB gehört als Wissenschaftliche Bibliothek mit ihren Mitarbeiter:innen also potentiell zum Publikum des Buches – in der Funktion als Universitätsbibliothek unmittelbar, und landesbibliothekarisch auch, aber auf andere Weise z.B. mit Blick auf die Bürgerwissenschaften (Citizen Science). Der Band gibt auf über 300 Seiten Anregungen und Orientierung – im Wikiversum, aber vor allem Einblick in vorbildhafte Projekte, die das Wikiversum als Werkzeugkasten nutzen. Die folgende Rezension bleibt lückenhaft und ist eine Einladung zum Stöbern, Querlesen und Verlinken.

Freies Wissen mit Open Access

Roberto A. Arteaga berichtet am Buchende vom Entstehungsprozess des Bandes während der Pandemie, von Open Access, von der Suche nach einem passenden Verlag, von Kosten und Förderungen und er gibt Hinweise für ähnliche Anliegen. Publiziert wurde der Volltext des Bandes bereits vor dem Druck in der englischen Wikisource, so dass wir im Herbst 2021 in Dresden bei der Wikisource-Zweitkorrektur der Seiten und bei der Erschließung der Kapitel in Wikidata helfen konnten. Auf diese Weise entstanden Kontakte und kollegialer Austausch – wie sonst auch in Wikimediaprojekten.

Wo aber anfangen? Weiterlesen

Wandern durch die Dresdner Geschichte – Iris Schilke (Wissenschaftskommunikation sozialmedial #2)

Nach dem Auftakt im Oktober geht es weiter mit unserer kleinen Reihe zur Wissenschaftskommunikation in und mit den Sozialen Medien. Unser heutiger Gast ist in verschiedenen Wikis aktiv und betreibt mehrere Blogs, die sich thematisch v. a. mit Dresden und Umgebung befassen – und mit der Rolle von Frauen in der Geschichte. Herzlich Willkommen @shelog alias…

Wer bist du?

Iris Schilke, Diplomingenieurökonomin, Bankangestellte, Absolventin des Literaturinstituts Leipzig, Hilfsbibliothekarin, Buch- und Kinderhörspielautorin, Dozentin für Gründerinnenkurse, Mitbegründerin und erste Projektleiterin des FrauenStadtArchivs Dresden, Stadtführerin, Webdesignerin mit Schwerpunkt TYPO3, Rentnerin.

Woran arbeitest Du in diesem Jahr?

Endlich kann ich wieder in Ruhe an einem Roman arbeiten (siehe unten), dabei entstehen auch Wikipedia-Artikel

Was sind allgemein Deine Forschungsthemen und -fragen, auch über das Genannte hinaus?

Weiterlesen

Digitale Heimatforschung mit Wikidata – ein Workshopbericht über verlinkendes Datendenken

Von Jens Bemme

Warum sollten Heimatforschende Wikidata benutzen? In zwei Onlinekursen des Sächsischen Landeskuratoriums ländlicher Raum e. V. mit dem Team des Landeskundeportals Saxorum ging es um Möglichkeiten der offenen Wissensdatenbank.

Eigene Recherchen speichern. Selbst erhobene Forschungsdaten organisieren. Das sind offenbar wichtige Motive, die genannt werden, wenn Möglichkeiten von  Wikidata zur Sprache kommen – so auch bei der Vorbereitung der Onlineworkshops Wikidata und Heimatforschung mit dem Sächsischen Landeskuratorium ländlicher Raum e.V. Ende Juni. Das Skript der beiden ersten Kurse ist offen in der Wikiversität zugänglich. Die gekürzte Aufnahme des Einsteigerseminars am 28. Juni gibt es auf Youtube.

Wikidata ist ein wachsender Datenberg: offen für jede und jeden, veränderbar und abrufbar von allen. Welche Nutzen und welche Funktionen Wikidata für die eigene Heimatforschung bietet, das hängt aber von jedem einzelnen ab. So verschieden die Forschungsgegenstände, Forschungsfragen, -methoden und Ziele sind, so unterschiedlich kann die eigene Wikidatabenutzung aussehen. Einige Beispiele:

Weiterlesen

Citizen Science, Wikiversum und Sächsische Bibliografie: Veranstaltungen, Zweitveröffentlichungen und Neuerscheinungen

In der deutschsprachigen Citizen Science-Szene ist aktuell einiges los. Gemeinsam mit lokalen Partnern veranstaltet Bürger schaffen Wissen vier mehrtägige Online-Trainingsworkshops, um das Konzept stärker an Hochschulen und Universitäten zu verankern. Vom 30. November bis 2. Dezember waren wir mit dem Saxonica-Referat der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) an der Durchführung des Workshops für die Region Ost beteiligt. Und am 10. Dezember findet die zweite öffentliche Strategiewerkstatt auf dem Weg zu einem “Weißbuch Citizen Science” für Deutschland statt. Hier engagieren wir uns in der Arbeitsgruppe Archive, Bibliotheken, Museen und Wissenschaftsläden diskutieren den ersten Entwurf eines Kapitels, dass den aktuellen Stand der und mögliche Perspektiven für die Bürgerwissenschaften in diesen Einrichtungen im Weißbuch dokumentieren soll.

Unsere eigenen Aktivitäten auf diesem Feld sind eng verbunden mit dem Arbeitsgebiet der sächsischen Landesgeschichte/-kunde, das wir u.a. mit der offenen kollaborativen Pflege digitaler Kulturdaten voranbringen. Zu den Hintergründen und Konzepten sind jetzt einige Aufsätze frei im Netz verfügbar. Weiterlesen