Volltextsuche auf Spuren historischer Brände und Feuerwehrbegriffe

Von Daniel Fischer und Jens Bemme

Waldbrände in Europa und weltweit lenken unseren Blick auf das ‘Feuer’ in Sammlungen digitaler Bibliotheken. Große und kleine Brandkatastrophen beschäftigen die Menschheit seit jeher und haben einen reichen historischen Wortschatz rund um Feuer, Brände und das Feuerwehrwesen hervorgebracht. Diese Vokabeln finden und spiegeln sich in überlieferten Zeitungen, Verordnungen, Berichten und vielen weiteren Quellen wider.

Dieser Blogpost lädt zu einer Entdeckungstour durch historische Begrifflichkeiten und Schreibweisen rund um das Brandwesen ein, die sich in den Volltexten von Digitalisaten aus den Digitalen Sammlungen der SLUB sowie dem Portal Sachsen.digital nachweisen lassen.

Die Gartenlaube (1864) b 733 1Oswald Faber: Leute bei der Spritze, Die Gartenlaube, 1864, Nr. 46, S. 733, via Wikimedia Commons.

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Aus der Blogosphäre: Ernst Hirsch und das “Universum Dresden”

Nachdem im März 2025 die SLUB und die Museen der Stadt Dresden die Film- und Kamerasammlung von Ernst Hirsch erworben hatten, ist nun bis 1. November 2026 in den Technischen Sammlungen eine Sonderausstellung zum Filmemacher und -sammler zu sehen. Im Blog “Campusrauschen” gibt Nadine Faust einen Einblick in die Ausstellung:

Dass Hirschs Arbeit und Sammlung unser visuelles Gedächtnis von Dresden prägen, ist hinlänglich bekannt. […] Dabei gibt es immer noch Material, das bisher kaum in Erscheinung getreten ist, etwa die Videobänder mit Interviews von ehemaligen Dresdner Jüd:innen und Juden, die die Zeit des Nationalsozialismus überlebt haben. In Ausschnitten sind sie nun in der Ausstellung zu sehen.

Zurück zu den Anfängen

Aus der Blogosphäre: Neues Forschungsprojekt zur Provenienzforschung an der SLUB Dresden

Ende Februar haben wir mit einem Beitrag von Gabriela Brudzyńska-Němec zuletzt aus den Aktivitäten der SLUB Dresden zur Provenienzforschung berichtet. Unlängst ist nun ein neuen Forschungsprojekt gestartet: Ziel ist es, in bis Januar 2028 in 300 Fällen die rechtmäßigen Erbinnen und Erben von Verfolgten zu recherchieren, deren Bücher sich bis heute im Bestand der SLUB befinden. Die Projektmitarbeiterinnen berichten darüber im Hypotheses-Blog “Retour. Freier Blog für Provenienzforschende”:

Neues Forschungsprojekt an der SLUB Dresden zur Ermittlung von Erbinnen und Erben bei NS-Raubgut-Fällen gestartet

Die Ergebisse bisheriger Projekte werden in der Reihe “Provenienzforschung in der SLUB” dokumentiert, die einzelnen Falldossiers darin auf den Dokumentenserver Qucosa veröffentlicht: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-727174.

Tagungshinweis: LEBENS|DATEN. Staatliches Register – genealogische Ressource – kollektives Gedächtnis: 150 Jahre Standesämter in Sachsen

Vor anderthalb Jahrhunderten veränderte der Staat mit der Einführung der Zivilehe und der flächendeckenden Beurkundung des Personenstandes die Erfassung von Lebenswegen grundlegend. Anlässlich dieses Jubiläums möchten wir Wissenschaft, Archivwesen, Genealogie und Citizen Science zusammenbringen, um die historische Entwicklung der Standesämter sowie klassische und moderne Auswertungs- und Nutzungsmöglichkeiten ihrer Quellenbestände zu beleuchten.

Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden und der Dresdner Verein für Genealogie e. V. laden zu einer gemeinsamen Tagung ein:

LEBENS|DATEN. Staatliches Register – genealogische Ressource – kollektives Gedächtnis: 150 Jahre Standesämter in Sachsen

Wann? Freitag & Sonnabend, 5. & 6. Juni 2026
Wo? SLUB-Zentralbibliothek (Dresden, Zellescher Weg 18)

Unsere Tagung schlägt den Bogen von den Anfängen der Standesämter bis hin in die Gegenwart:

  • Aufbruch & Herausforderungen
    In den Blick werden zunächst die historisch-politischen Rahmenbedingungen und administrativen Hürden genommen, unter denen Zivilehe und staatliches Personenstandswesen eingeführt wurden.
  • Epochen & Zäsuren
    Die Vorträge verfolgen außerdem deren Entwicklung durch verschiedene historische Epochen – wie die Instrumentalisierung im Dritten Reich – und betrachten den Wandel von Grundpfeilern wie Ehe- und Namensrecht.
  • Forschung & Methoden
    Von der traditionellen genealogischen Recherche bis hin zu modernen, datengestützten Analysen sollen Möglichkeiten der Erschließung und Auswertung betrachtet und das enorme Potenzial dieses Quellenschatzes neu ausgelotet werden.

Ein detailliertes Programm sowie Informationen zur Anmeldung und zu einem vorbereitenden Workshop folgen in Kürze.

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140 Jahre Schlossbibliothek Oels in Dresden

Von Thomas Haffner

Abb. 1: König Albert von Sachsen, um 1895. Foto: Rudolph Kramer (SLUB/Deutsche Fotothek, Lizenz: Rechte vorbehalten)

Im Feuilleton des Dresdner Journals vom 22. Oktober 1885 vermeldete Ernst Wilhelm Förstemann, der damalige Direktor der Königlichen Öffentlichen Bibliothek (KÖB) zu Dresden, einer Vorgängereinrichtung der heutigen Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB): „Durch die Gnade Sr. Majestät des Königs hat die hiesige königl. öffentl. Bibliothek in diesen Tagen einen Schatz erhalten, wie er ihr in solchem Umfange seit einem Jahrhundert nicht zu Theil geworden ist.“[1] Damit sind gut 20.000 Bände aus der Schlossbibliothek Oels in Schlesien gemeint, die nach dem Tod des regierenden Herzogs Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg (1806–1884) als Erbe an dessen Vetter König Albert von Sachsen (reg. 1873–1902) (Abb. 1) gefallen waren.

Den Grundstein zu dieser Bibliothek legten die Herzöge von Münsterberg (Ziębice) aus dem böhmischen Adelsgeschlecht von Podiebrad im 16. Jahrhundert in ihren Schlössern zu Oels (Oleśnica) und zu Bernstadt (Bierutów). Nachdem das Herzogtum Oels 1648 an die Herzöge von Württemberg gefallen war, wurde 1699 die Bernstädter mit der Oelser Sammlung vereinigt und nach großem Zuwachs durch private Bibliotheken im 18. Jahrhundert im Sophiensaal, einem ehemaligen Festsaal des Oelser Schlosses aufgestellt (Abb. 2). 25 Jahre nach der Übernahme des Herzogtums Oels durch das Haus Braunschweig-Lüneburg (1792) kam die Entwicklung der Bibliothek zum Stillstand. Zwischen 1825 und 1836 kamen über 2.000 Bände abhanden. Fachkundige Bibliothekare wurden durch nebenamtliche Aufseher ersetzt.[2]

Abb. 2: Schloss Oels von Süden, 1894. Foto: Hermann Krone (TU Dresden/Hermann-Krone-Sammlung, KAD-T-050/05 via SLUB/Deutsche Fotothek, Lizenz: Rechte vorbehalten)

So „war es ein Glück für die zahlreichen wertvollen Handschriften und kostbaren alten seltenen Drucke der Bibliothek, dass sie nun in gute Hände kommen“, wie es im Dezember 1885 im „Neuen Anzeiger für Bibliographie und Bibliothekswissenschaft“ hieß.[3] Weiterlesen

Spuren der Vernichtung, Spuren des Lebens: Bücher aus dem südpolnischen Tarnów der Vorkriegszeit in der SLUB Dresden

Ein Beitrag zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust von Gabriela Brudzyńska-Němec1

Tarnów und Oświęcim – Oshpitzin und Tarne

Oświęcim war in der Vorkriegszeit eine typische polnische Kleinstadt im Süden des Landes; von den rund 12.000 Einwohnern war mehr als die Hälfte jüdisch. Nicht anders war es in der galizischen Großstadt Tarnów. Dort zählte man 1939 etwa 40.000 Einwohner und etwa die Hälfte gehörte zur jüdischen Bevölkerung. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts war sie Teil der Stadtgesellschaft, über Generationen hinweg verwurzelt im Alltag.

Nach dem Überfall auf Polen im September 1939 durch das nationalsozialistische Deutschland und parallel durch die Sowjetunion annektierte das Deutsche Reich bereits im Oktober große Teile des Landes. Oświęcim wurde unmittelbar eingegliedert und in Auschwitz umbenannt, während Tarnów zum von den deutschen Besatzern errichteten Generalgouvernement gehörte.

In Oshpitzin und Tarne, wie Oświęcim und Tarnów auf Jiddisch hießen, endete 1939 das gewohnte Leben abrupt. Es wurde von da an untrennbar Teil der Geschichte der Shoah.

Der erste Transport nach Auschwitz im Juni 1940

Ab 1940 errichteten die Nationalsozialisten in Oświęcim ein Konzentrationslager. Es diente zunächst zur Inhaftierung politischer Gefangener aus dem besetzten Polen. Zwischen 1942 und 1944 entwickelte sich Auschwitz-Birkenau zum größten deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager. Bis Januar 1945 wurden dort über eine Million Menschen ermordet, darunter 960.000 Angehörige der jüdischen Bevölkerung aus ganz Europa. Unter den Opfern befanden sich zudem zehntausende Polen, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene sowie Angehörige anderer Nationalitäten.

Ausgerechnet von Tarnów aus brach am 14. Juni 1940 der erste Transport mit politischen Häftlingen in Richtung Auschwitz auf (Abb. 1). Die 728 Männer wurden zuvor im Gebäude der Mikwe, dem jüdischen Ritualbad, zusammengetrieben, das die Deutschen zu einem provisorischen Gefängnis umfunktioniert hatten. Unter den Gefangenen befanden sich auch einige jüdische Intellektuelle.

Güterrampe am Bahnhof Tarnów, 14. Juni 1940

Abb. 1: Gefangene werden auf Waggons verladen. Güterrampe am Bahnhof Tarnów, 14. Juni 1940 (via Wikimedia Commons)

Als am 27. Januar 1945 die Soldaten der 60. Armee des I. Ukrainischen Front der Roten Armee den Lagerkomplex Auschwitz‑Birkenau erreichten, konnten sie noch etwa 7.000 kranke und erschöpfte Überlebende befreien. Der Tag der Befreiung wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt und 2005 von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust ausgerufen.

An der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) ist dieser Tag in besonderer Weise mit der Arbeit der Provenienzforschung verbunden. Die in den Sammlungen aufgefundenen Bücher, die während der NS-Zeit auf unterschiedlichen Wegen geraubt wurden, zeugen unmittelbar vom Leid der Verfolgten und von den Verbrechen des NS-Regimes. Zugleich bewahren sie bleibende Spuren ihrer einstigen Eigentümer. Alte Stempel, Notizen und Widmungen auf den brüchigen Seiten sind dabei oft die letzten greifbaren Zeugnisse. In drei Fällen aus dem SLUB-Bestand führen die auf NS-Raubgut hinweisen Provenienzspuren direkt nach Tarnów:

Heinrich Margulies: Kritik des Zionismus, Band 1, Wien 1920, https://katalog.slub-dresden.de/id/0-1120405300

Jakob Oettinger: Methoden und Kapitalbedarf jüdischer Kolonisation in Palästina, Den Haag 1916, https://katalog.slub-dresden.de/id/0-1120440653

Joseph Braun: Handbuch der Paramentik, Freiburg im Breisgau 1912, https://katalog.slub-dresden.de/id/0-1117226883

Folgen wir diesen Spuren …

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  1. Eine gekürzte Version des Beitrags erschien unter dem Titel „Wege der Erinnerung zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust: Bücher aus Tarnów in der SLUB“ am 26. Januar 2026 im SLUBlog, https://blog.slub-dresden.de/beitrag/2026/01/26/wege-der-erinnerung-zum-internationalen-tag-des-gedenkens-an-die-opfer-des-holocaust-buecher-aus-tarnow-in-der-slub. []

Sächsische Landesgeschichte im Brettspiel: Monopoly Dresden

Von Jean-Luc Bögner und Eric Lennart Kamper

Monopoly gilt als eines der beliebtesten und bekanntesten US-amerikanischen Brettspiele, wobei es darum geht, sich ein Immobilienimperium aufzubauen und andere Mitspieler in den Bankrott zu treiben. Es entsteht beim Spielen eine wahre Gefühlsachterbahn, wenn Straßen gekauft und mit Häusern bzw. Hotels bebaut werden, für die andere Mitspieler dann zahlen müssen. Das Spiel erfreut sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt und wird vom Spieleverlag sowie Spielzeughersteller Hasbro vertrieben. Die Geschichte hinter dem Spiel selbst als auch hinter der 20201 erschienenen Stadtedition von Dresden ist jedoch durchaus interessant.

Erste Seite des Patentantrags von Charles B. Darrow, 6. Februar 1935 (Wikimedia Commons/JohnDBuell, Public Domain)

Hauptbestandteil des Spiels sind mehrere Straßen, Bahnhöfe und Werke, die bestimmten Farben zugeordnet sind und einem definierten Wert unterliegen. Dieser bestimmt den Preis für die Straße sowie für die Gebäude, die darauf gebaut werden können. Folglich gibt es also günstigere und teurere Straßen, die einer im Vorhinein festgelegten Wertigkeit unterliegen. Basierend auf The Landlord’s Game (1904) von Elizabeth Magie Phillips (1866-1948), erschien Mitte der 1930er Jahre das erste Monopoly von Charles B. Darrow (1889-1967).2 Eine erste deutschsprachige Version wurde 1936 mit Berliner Straßennamen veröffentlicht. Nach Darstellung des Unternehmens Hasbro ließ der nationalsozialistische Propagandaminister Joseph Goebbels das Spiel jedoch kurz nach Erscheinung vom Markt nehmen, da die von ihm enteignete Insel Schwanenwerder seiner Meinung nach keiner gerechten Bewertung im Spiel unterlag. Auf dieser Insel im Bezirk Steglitz-Zehlendorf hatte er zwischen 1936 und 1938 mehrere Grundstücke von einem emigrierten jüdischen Bankier deutlich unter Marktwert erworben, woraufhin auch viele weitere nationalsozialistische Funktionäre dorthin zogen. Offiziell sei das Spiel dann aufgrund seines „jüdisch-spekulativen Charakters“ verboten worden.3 Historische Quellen für diese Darstellung gibt es allerdings nicht ausreichend.

Englischsprachiges Moonopoly-Spielbrett, Detailaufnahme (Wikimedia Commons/Rich Brooks, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Nach dem Zweiten Weltkrieg erschien das Spiel 1953 wieder in der BRD, während es in der DDR verboten war. Um das Jahr 2000 folgten dann die ersten Städteeditionen, in denen nicht von einer fiktiven Stadt wie im klassischen Monopoly ausgegangen wird, sondern von realen Straßen und Sehenswürdigkeiten in den jeweiligen Städten bzw. Regionen. Weiterlesen

  1. Ein erstes Dresden-Monopoly wurde bereits 2000 veröffentlich und erschien 2004 in 2. Auflage, vgl. https://boardgamegeek.com/boardgame/15661/monopoly-dresden []
  2. Vgl. Daniel Meßner/Richard Hemmer: Kleine Geschichte von Monopoly und warum wir es heute verkehrt spielen. In: Spektrum.de, 1. Juli 2020, https://www.spektrum.de/kolumne/monopoly-die-geschichte-eines-der-erfolgreichsten-brettspiele/1748112. []
  3. Vgl. Maritta Adam-Tkalec: Goebbels-Monopoly – Wie Schwanenwerder ins Spiel kommt und was Hitler damit zu tun hat. In: Berliner Zeitung, 23. Juli 2023, https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/goebbels-monopoly-auf-schwanenwerder-hat-hitlers-vertrauter-das-spiel-verboten-li.367782. []

Sächsische Landesgeschichte im Brettspiel – Ergebnisse der Übungsveranstaltung „Mit Pöppel und Würfel durch Sachsen“

Wie stellt sich sächsische Landesgeschichte in Brettspielen dar und wie lässt sie sich mit den Werkzeugen von Historiker:innen erkunden? Welche Ergebnisse liefert die klassische Quellenkritik, wie bewertet und ordnet man sie ein?

Im Wintersemester 2024/25 fand unter Leitung von Martin Munke und Robin Reschke am Institut für Geschichte der Technischen Universität Dresden die Übung „Mit Pöppel und Würfel durch Sachsen“ statt, ergänzend zu einem Workshop mit Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen1. In der Lehrveranstaltung hatten Studierende die Möglichkeit, sich solchen Fragen anzunähern. Hierzu konnten sie auf den thematisch einschlägigen Brettspielbestand der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek zurückgreifen. Von den etwa 70 Objekten, die die Sammlung im Referat Saxonica und Kartensammlung mittlerweile umfasst, wurden mehrere für eine tiefere Analyse ausgewählt. Die Studierenden näherten sich Ihnen sowohl spielend als auch wissenschaftlich, indem sie die Spiele als kulturelle Artefakte mit Blick auf ihre historischen Inhalte und ihr didaktisches Potential untersuchten2. Die Ergebnisse wollen wir in den kommenden Wochen in einer Blogreihe präsentieren und zur Diskussion stellen – mit herzlichem Dank an die Studierenden für ihre Beteiligung. Teilweise haben sie die Texte selbst verfasst, teilweise ihre Rechercheergebnisse für die weitere Analyse der Spiele zur Verfügung gestellt.

Die Beiträge in alphabetischer Reihenfolge der Spieletitel, Links und Veröffentlichungsdatum werden jeweils nach Erscheinen ergänzt:

Ergänzt wird die Reihe um weitere Texte, die im zeitlichen Umfeld der Übung entstanden sind:

  • „Spielen in der DDR, oder: eine Reise durch das verschwundene Land Sachsen“ zu Eine Reise durch Sachsen (Henrik Schwanitz, 11. Dezember 2025, Zweitveröffentlichung eines Beitrags aus der Reihe „Fundstück aus dem ISGV“, saxorum.hypotheses.org/14701)

Beitragsbild: Escape from Colditz in einer Ausstellungsvitrine zur Langen Nacht der Wissenschaften 2024 in der SLUB (Foto: Daniel Fischer, Lizenz: CC BY 4.0)

Letztes Update: 19. Februar 2026

  1. Vgl. Robin Reschke: „Sächsische Geschichte spielend entdecken? Das Brettspiel als interaktiver Zugang für historisches Lehren und Lernen“ – ein Werkstattbericht, 17. Dezember 2024, https://saxorum.hypotheses.org/12154 []
  2. Vgl. dazu Robin Reschke/Martin Munke: Mit Pöppel und Würfel durch die Landesgeschichte. Spielekultur in wissenschaftlich-bibliothekarischen Kontexten, 31. Juli 2025, https://saxorum.hypotheses.org/13689 []

Coding (Historical) Spatial Data. Räumliche Daten und ihre Rolle in einer digitalen Landesgeschichte am Beispiel des Virtuellen Kartenforums

Erweitertes Abstract zur Tagung „Coding History – Perspektiven einer digitalen Landesgeschichte, Sulzbach-Rosenberg, 4. bis 6. August 2025

Zu den zentralen Merkmalen landes- und regionalhistorischen Arbeitens gehört der Bezug auf einen bestimmten geografischen Raum. Die historische Geografie bzw. Kartografie stellt entsprechend eine der wichtigsten Grundwissenschaften für unsere Subdisziplin der Geschichtswissenschaften dar. In den vergangenen Jahren hat die Verbreitung von Geoinformationssystemen (GIS) als Werkzeug zur Erfassung, Speicherung, Analyse und Darstellung räumlicher Daten unter den Bedingungen der Digitalität rasante Fortschritte gemacht, die ansatzweise auch für das landes- und regionalhistorische Arbeiten fruchtbar gemacht worden sind. Sowohl im Umgang mit digitalisierten (topografischen) Altkarten als auch in der Erstellung genuin digitaler Angebote z. B. im Bereich thematischer Karten bieten sich hier zahlreiche Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen.

Das Virtuelle Kartenforum (VKF), ein Onlineangebot der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek1, dient seit 2014 als Portal, das die Darstellung von und die Recherche in aktuell etwa 10.000 historischen Karten mit ihrer Georeferenzierung verbindet. In den vergangenen Jahren wurde darüber hinaus die Möglichkeit implementiert, mithilfe des GeoJSON-Standards raumbezogene Datensammlungen im VKF zu visualisieren und mit externen Onlineangeboten zu verknüpfen. Als Teil der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) im Konsortium der historisch arbeitenden Geisteswissenschaften, 4Memory, soll das VKF weiter für solche Anwendungsfälle ausgebaut werden.

Anhand dieses Fallbeispiels sollen im Vortrag aktuelle Anwendungsfälle, Chancen und Herausforderungen solcher Tools vorgestellt und diskutiert werden. Weiterlesen

  1. Vgl. zuletzt Martin Munke/Dominik Stoltz: Das Virtuelle Kartenforum als Recherche- und Visualisierungswerkzeug im Verbundprojekt DIKUSA, 10. September 2024, https://saxorum.hypotheses.org/11669 []

Mit Pöppel und Würfel durch die Landesgeschichte. Spielekultur in wissenschaftlich-bibliothekarischen Kontexten

Erweitertes Abstract zur Tagung „Spielkultur denken: Perspektiven der Spielwissenschaft“ im Rahmen der Krönchen Convention, 2. August 2025, Siegen.

Von Robin Reschke und Martin Munke

Spiele mit historischen Inhalten fungieren als Spiegel sozialer Normen und Werte, sowie des kollektiven Geschichtsbewusstseins, dass vor allem in popkulturellen Kontexten reproduziert und modifiziert wird. (Spiel-)„Medien als Vermittlungsinstanzen und Transformatoren“ (Astrid Erll) zwischen Rezipienten, gegenwärtigen Geschichtsbilden und zeitgenössischer Populärkultur können solche Bilder konstruieren, verstärken oder überwerfen. Das inhärente didaktische Potential von Spielen erlaubt eine kritische Beschäftigung mit Geschichte im weitesten Sinne – sei es, um tradierte Geschichtsbilder zu hinterfragen, Geschichtsmythen zu dekonstruieren, Kontingenz und Kontrafaktizität erfahr- und experimentierbar zu machen oder schlicht um Inhalte auf spielerische Weise zu vermitteln.

Gegenwärtig fehlt es großflächig noch an institutionell verankerten Orten, die eine Grundlage für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Gaming dauerhaft bereitstellen. Als Medien- und Wissens-speicher können (wissenschaftliche) Bibliotheken diese Rolle übernehmen. Sie verfügen über notwendige Ressourcen und Expertise im Umgang mit kulturellen Artefakten unterschiedlichster Provenienz. Im Kontext der Bestandserhaltung, des Angebots und der Vermittlung bieten Bibliotheken darüber hinaus eine ideale Grundlage, um analoge (und perspektivisch digitale) Spiele Nutzer:innen barrierearm zugänglich zu machen. So bietet die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten für eine spielwissenschaftliche Auseinandersetzung, die am Beispiel der prototypischen Brettspielsammlung des Referats Saxonica und Kartensammlung erprobt werden. Weiterlesen

Aus der Blogosphäre: Immaterielles Kulturerbe in Daten und Digitales zur Kulturhauptstadt Chemnitz

Wie lässt sich das immaterielle Kulturerbe digital erfassen und beschreiben? Eine Arbeitsgruppe, die sich aus MitarbeiterInnen verschiedener sächsischer Forschungseinrichtungen konstituiert hat, möchte zu diesen Fragen ein Konzept- und Methodenpapier erarbeiten. Antje Reppe von der Beratungs- und Forschungsstelle für Immaterielles Kulturerbe in Sachsen des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde fasst die Ergebnisse des Auftaktworkshops am 5. Juni im Makerspace der SLUB Dresden zusammen und informiert über Möglichkeiten zur Mitarbeit, u.a. an der geplanten Festlegung eines gemeinsamen Kerndatensatzes.

https://www.ike-sachsen.de/forum/bericht-neue-arbeitsgruppe-in-sachsen-beschaeftigt-sich-mit-herausforderungen-der-verdatung-immateriellen-kulturerbes


Möglichkeiten zur digitalen Annäherung an der Vergangenheit der aktuellen europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz bietet das Bundesarchiv mit einer Themenseite, auf der Beiträge zur Stadtgeschichte mit Dokumenten, Fotos und Filmen aus den Beständen der Einrichtung versammelt sind. Eine Bildergalerie widmet sich z. B. dem Alltagsleben in den 1950er Jahren, rings um die 1953 erfolgte Umbenennung in Karl-Marx-Stadt.

https://www.bundesarchiv.de/chemnitz-in-den-bestaenden-des-bundesarchivs/

Ergänzend empfiehlt sich ein Blick in die Sächsische Bibliografie, die aktuell fast 13.500 Einträge mit dem Schlagwort “Chemnitz” enthält. Davon verweisen über 1.700 auf digital verfügbare Ressourcen.


Beitragsbild: Walter Möbius: Chemnitz von Süden, 1935, Ausschnitt (SLUB/Deutsche Fotothek, Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Der schriftliche Nachlass Fritz Löfflers: Netzwerke der Bildenden Kunst

Vortrag zur Veranstaltung „Das alte Dresden heute – Fritz Löffler und die Denkmalpflege“, 4. März 2025

Von Thomas Stern

Fast 200 Nachlässe und Sammlungen des Gesamtbestandes von etwa 500 Personen- und Familienarchiven der Sächsischen Landesbibliothek – Staats-  und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) stammen mittlerweile von Künstlerinnen und Künstlern, Galerien oder Protagonisten der Kunstvermittlung. Neben so prominenten Namen wie Werner Schmidt, von 1959 bis 1989 Direktor des Dresdner Kupferstichkabinetts und anschließend Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Ernst Hassebrauk, dem Dresdner Maler, dem es gelang mit seinen farbenfrohen Bildern die Lebensfülle barocker Malerei und die Feinsinnigkeit des Rokoko in die Malerei des 20. Jahrhunderts zu übertragen oder dem Fotografen Christian Borchert, einer der bedeutendsten deutschen Fotografen des ausgehenden 20. Jahrhunderts, kam auch der Nachlass des Kunsthistorikers Fritz Löffler (Abb. 1) in seinem Todesjahr 1988 als Vermächtnis in die damalige Sächsische Landesbibliothek (SLB). Bereits ein Jahr zuvor übergab Löffler gemeinsam mit Joachim Heuer den Nachlass des Dresdner Kunsthistorikers Wolfgang Balzer, der nach seiner Zeit als Direktor des Kunstgewerbemuseums von 1946 bis 1951 bis zu seiner Pensionierung die Direktion der SKD innehatte, ebenfalls der SLB.

Abb. 1: Der Kunsthistoriker Dr. Fritz Löffler am Schreibtisch in seiner Wohnung, 1979/81 (Deutsche Fotothek/Martin Würker, Lizenz: Rechte vorbehalten ­– Freier Zugang)

Als staatlicher Sammelschwerpunkt für Bildende Kunst übernahm die Sächsische Landesbibliothek als Vorgängerinstitution der SLUB bereits ab 1966 die Aufgabe der Publikation der Bibliographie Bildende Kunst und begann ab 1982 mit der Sammlung von originalgrafischen Büchern. Ein Jahr später wurde die Landesbibliothek schließlich auch Zentrale Fachbibliothek für Bildende Kunst und Musik der DDR und baute systematisch Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern, Galerien und kunstvermittelnden Personen in der DDR auf. In diesem Zusammenhang begann man ab Ende der 1980er Jahre diese Verbindungen zu nutzen, um einen Ort der Sammlung von Beständen mit Zusammenhang zur Bildenden Kunst zu etablieren. Diese Nachlässe, Vorlässe und Sammlungen stellen eine wichtige Quelle für die Wissenschaft dar und bieten Informationen zum Leben der Nachlasserinnen und Nachlasser, deren Familie oder deren (Lebens-)Werk. Sie werden von Gedächtnisinstitutionen wie Bibliotheken, Archiven und Museen oder in den angeschlossenen Archiven von Kunst oder Wissenschaft fördernden Institutionen, wie beispielsweise der Sächsischen Akademie der Künste, bewahrt. Dort werden sie geordnet, erschlossen und der Wissenschaft zugänglich gemacht. Die SLUB bewahrt in ihren Sammlungsabteilungen – der Musikabteilung, der Deutschen Fotothek und der Abteilung Handschriften, Alte Drucke und Landeskunde – Nachlässe und thematisch angelegte Sammlungen von Musikern, Künstlern, Literaten, Wissenschaftlern und auch von bedeutenden Köchen und Sammlern im Deutschen Archiv der Kulinarik als Gemeinschaftsprojekt der TU Dresden und der SLUB Dresden.

Der Nachlass von Fritz Löffler umfasst insgesamt über 8000 Dokumente, die in über 60 Archivkartons aufbewahrt werden. Die Unterlagen sind in Kalliope, der Verbunddatenbank für Nachlässe und Autographe erschlossen worden. Damit ist der Nachlassbestand online zugänglich und bietet die Möglichkeit im Nachlass zu recherchieren und die recherchierten Unterlagen im Lesesaal Sammlungen der Bibliothek zu nutzen. Darüber hinaus besteht ein Spezialverzeichnis des Nachlasses, welches ebenfalls als Findbuch genutzt werden kann und in physischer und digitaler Form vorliegt. Weiterlesen

Samisdat-Literatur als Quelle für die landes- und regionalhistorische Forschung?

Von Martin Munke

Am 31. Januar 2025 wurden im Open Science Lab der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden die Ergebnisse eines Projektes zur „Datenübernahme und Präsentation des Zeitschriften-Samisdat in der DDR“ präsentiert. Die Abendveranstaltung schloss einen ganztägigen Workshop zum Thema mit Akteurinnen und Akteuren aus Tschechien, Polen, Russland und Deutschland ab. Unter Samisdat (russ. cамиздат) wird gemeinhin die „die Verbreitung von alternativer, nicht systemkonformer, zumeist verbotener ,grauer‘ Literatur über nichtoffizielle Kanäle“ (Wikipedia) in den staatsozialistischen Ländern des (aus westlicher Perspektive) sog. Ostblocks verstanden. Dem nichtoffiziellen Charakter dieser Dokumente entsprechend, ist ihre Überlieferungslage und Verfügbarkeit bis heute oft schwierig. Auch daher kommt z. B. dem „DDR-Samisdat in seiner Bedeutung und Rezeption […] noch nicht der Stellenwert zu, den er nach der Einschätzung der damaligen Protagonisten, Zeitzeugen und auch der heutigen Wissenschaft haben müsste“ (sachsen.digital).

Kollektion „Politischer Samisdat der DDR“ auf sachsen.digital

Bereits Anfang der 2000er Jahre wurde durch eine Förderung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Stiftung Sächsische Gedenkstätten am damaligen MitteleuropaZentrum der Technischen Universität Dresden (heute: Zentrum Mittleres und Östliches Europa) ein Projekt zur Digitalisierung der periodisch erscheinenden Samisdat-Zeitschriften der DDR realisiert. Damit konnten sie erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglichgemacht werden.1 Zur Sicherung der damaligen Ergebnisse erfolgte nun die Übernahme des Datenbestandes in das von der SLUB betriebene Portal sachsen.digital. Ermöglicht wurde dies wiederum durch die Unterstützung der Stiftung Aufarbeitung. Auf Saxorum führt eine Themenseite in den Bestand ein und listet weiterführende Literatur auf. Anlässlich der öffentlichen Präsentation durfte ich am Beispiel Sachsen einige Gedanken zu den Potentialen der Samisdat-Literatur als möglicher Quelle für die landes- und regionalhistorische Forschung beisteuern. Sie sollen im Folgenden dokumentiert werden, ergänzt um einige Literaturhinweise.

Die Bezüge von Samisdat in seinen verschiedenen Zusammenhängen gehen natürlich weit über diese Kontexte hinaus. Meines Erachtens bieten sich aber gerade für die Landes- und Regionalgeschichte einige Anknüpfungspunkte, die bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind. Weiterlesen

  1. Vgl. im Zusammenhang Matthias Buchholz u.a. (Hg.): Samisdat in Mitteleuropa. Prozeß – Archiv – Erinnerung, Dresden 2007. []

Digitale Vermessung der Hofgesellschaft. Die Hofdiarien Johann Georgs II. von Sachsen (1656-1680) als frühneuzeitliche Datenspeicher und Quelle der Digital History

Von Stefan Beckert

Die Handschriftensammlung der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) beherbergt zahlreiche einzigartige Texte aus den Beständen der ehemaligen kurfürstlich-königlichen Bibliothek. Viele von ihnen sind heute als Digitalisate verfügbar. Darunter befinden sich auch einige Bände der Hofdiarien des Kurfürsten Johann Georgs II. von Sachsen (1613-1680). Sie gewähren einen tiefen Einblick in die kulturellen Praktiken und die gesellschaftliche Ordnung des Dresdener Hofadels im 17. Jahrhunderts. Aufgrund ihrer seriellen Form eignen sie sich besonders für die Erschließung und Erforschung mit digitalen Verfahren. Teils in schweres Leder gebunden, teils schmucklos in kaum gebundenen Konvoluten abgelegt, dokumentierte das Oberhofmarschallamt in ihnen tagtäglich die Schauseite des höfischen Lebens: Wer besucht den Hof? Welche Theater- oder Musikstücke werden zu welchen Zeiten und Anlässen an welchen Orten aufgeführt? Wer geht und sitzt in welcher Reihenfolge? – eine präzise Abbildung der höfischen Ordnung im Verlauf der Tage, Monate und Jahre.[1]

Bild 1: Eine beispielhafte Seite aus dem Hofdiarium vom 4. und 5. November 1665 über einen Jagdausflug und einen Gottesdienst (SLUB Mscr.Dresd.K.80, fol. 244v).

Diese Hofdiarien sind Zeugnisse der gesellschaftlichen Ordnung der Barockzeit. Über sie erhalten wir einen Einblick in das Bemühen der damaligen Menschen, eine komplexe und dynamische Gesellschaft übersichtlich und konfliktfrei zu strukturieren. Sie wurden wohl unter anderem dazu genutzt, bei den regelmäßigen Zusammenkünften der Hofgesellschaft einen konfliktfreien Ablauf zu gewährleisten, indem die Ehre und Würde jeder Person angemessen berücksichtigt wurde. Grundlage dafür war die in den Diarien dokumentierte Tradition: Was schon zuvor so gehalten wurde, begründete auch aktuelle Ansprüche.

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Das Virtuelle Kartenforum als Recherche- und Visualisierungswerkzeug im Verbundprojekt DIKUSA

Von Martin Munke und Dominik Stoltz

Von Ende Januar bis Mitte März 2024 wurden im Saxorum-Blog die einzelnen Teilvorhaben des Verbundprojektes DIKUSA zur Vernetzung digitaler Kulturdaten in Sachsen vorgestellt. Partner des Verbundes, in dem die geisteswissenschaftlichen außeruniversitären Forschungseinrichtungen Sachsens zusammenarbeiten, ist auch die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) mit dem Virtuellen Kartenforum (VKF). Das VKF dient einerseits als Recherchewerkzeug zur Herstellung räumlicher Verknüpfungen der in den Teilprojekten erfassten Kulturdaten, andererseits perspektivisch als Präsentationsoberfläche zu deren Visualisierung. Kommende Woche wollen wir auf der Tagung “Digital History & Citizen Science” in Halle/Saale im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Herausforderungen und Potenziale eines solchen Verbundvorhabens diskutieren und dazu hier die Rolle des VKF zusammenfassen.

Das VKF: eine kurze Einführung

Digitale Karten sind aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Fast jede(r) nutzt sie auf dem Smartphone zur Orientierung, zur Navigation oder zur imaginären Weltreise. Besonders reizvoll ist dabei die Verbindung mit historischem Kartenmaterial, das ein virtuelles Fenster in die Vergangenheit öffnen kann. Mit dem VKF betreibt die SLUB seit 2014 ein Portal, das die Darstellung von und die Recherche in historischen Karten mit ihrer Georeferenzierung verbindet – die älteren (aktuell etwa 10.000) können so punktgenau über eine aktuelle Karte gelegt werden. Der räumliche Schwerpunkt liegt bisher auf Sachsen, Deutschland und Mitteleuropa, wobei das VKF kontinuierlich erweitert wird. Nicht alle digitalisierten Karten aus dem Bestand der SLUB eignen sich gleichermaßen dafür, zahlreiche weitere sind in der Bilddatenbank der Deutschen Fotothek recherchierbar.

Startseite des Virtuellen Kartenforums

Mit seinen verschiedenen Funktionalitäten bietet das Portal zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten für historisch orientierte Geisteswissenschaften, Archäologie und Denkmalpflege, Landschafts-, Stadt- und Verkehrsplanung, Umweltschutz und Wasserbau, aber auch für Heimatforschende und sonstige geschichtlich interessierte Personen: Weiterlesen