Sächsische Landesgeschichte im Brettspiel: Kreuz und quer durchs Sachsenland

Von Robin Reschke (Text) in Zusammenarbeit mit Hannah Forster, Richard Kerk und Sarah Cosmar (Präsentation und Recherche)

Das 1946 beim Verlag Walter Flechsig Dresden erschienene Spiel Kreuz und quer durchs Sachsenland ist ein klassisches Roll-and-Move-Spiel auf einer Sachsenkarte. 2021 veröffentlichte der Verlag Spika GmbH eine weitgehend unveränderte Neuauflage. Inhaltlich geht es bei dem Spiel um eine Reise durch Sachsen. Die Spieler:innen starten in Dresden und müssen die Stadt als Spielziel wieder als erstes erreichen.

Entstehungshintergrund

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Verlag Walter Flechsig in Dresden die Spieleproduktion wieder auf. Der Mangel an Produktionsstätten sowie an Fachpersonal und Ressourcen verlangten den Spieleentwickler:innen ein gewisses Maß an Improvisationstalent ab. Neben der Wiederverwertung alter Produkte bedeutete das unter anderem auch, neue Spieleideen umzusetzen. Dabei kooperierte der Verlag mit kleineren, regionalen Herstellern. Der Anspruch war, Spiele sowohl als Unterhaltungs- als auch als Lernmedium zu präsentieren.

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Sächsische Landesgeschichte im Brettspiel: La Bataille de Dresde 1813

Von Robin Reschke (Text) in Zusammenarbeit mit Michael Jahn und Tim Nitzschner (Präsentation und Recherche)

Was ist die Reihe La Bataille?

Das Spiel La Bataille de Dresde 1813 ist Teil der Rehe La Bataille oder auch Les Batailles dans l’Âge de l’Empereur Napoléon Premier. Den Anfang der Reihe machte die Veröffentlichung von La Bataille de la Moscowa, das 1975 bei Marshall Enterprises erschien. Bei der Reihe handelt es sich um sog. Hex and Counter Wargames, d. h. das Spiel- bzw. Schlachtfeld ist in Sechsecke aufgeteilt, die von kleinen Plättchen, Counter genannt, belegt werde und die – je nach militärischer Größenordnung – Einheiten abbilden. Ab 1984 übernahm der Verlag Clash of Arms die Publikation der Reihe, die bis heute läuft, mittlerweile 32 Ausgaben umfasst und damit Schlachten im Zeitraum von 1796 (z. B. Lodi) bis 1815 (Wavre) abdeckt. Das englischsprachige Regelwerk unterteilt sich in eine komplexere (63 Seiten) und in eine vereinfachte Variante (26 Seiten).

Cover von La Bataille de Dresde. Foto: W. Eric Martin, https://boardgamegeek.com/image/3166131/la-bataille-de-dresde (© Clash of Arms Games 2015)

Geschichte von Wargames/Kriegsspielen

Der Ursprung von Wargames/Kriegsspielen oder auch Konfliktsimulationen geht auf Schach zurück. Ursprünglich aus dem indischen und arabischen Kulturkreis kommend, etablierte sich das Spiel spätestens seit dem Hochmittelalter fest in Europa. Weiterlesen

„Lege aber dieses alles ad acta für eine Geschichte der hiesigen lutherischen Gemeine, welche später geschrieben werden kann“. Briefe Johann Kilians an Gotthold Albert Gumlich

Von Annette Scherer

„Dieser Brief an Dich ist der erste, den ich aus Texas an einen Geistlichen nach Deutschland schreibe. Denn Geistliche erwarten mit Grund eine Darstellung der hiesigen kirchlichen Verhältnisse, wenn sie Briefe von einem Amtsbruder aus fernem Lande erhalten. Nun sind aber die kirchlichen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten Amerika’s und insonderheit in dem jungen, großen Staate Texas von der Art, daß man sich erst hinein leben muß, ehe man mit einiger Kenntniß darüber schreiben kann.“

Erste Seite des Briefs von Kilian an Gumlich vom 20. Dezember 1857 mit Erwähnung des Siedlungsnamens „Serbin“ (Quelle: sachsen.digital)

Mit diesen Zeilen beginnt Johann (auch Jan oder John) Kilian (1811–1884) im Dezember 1857 seinen ersten Brief aus Serbin an seinen Amtsnachfolger in Weigersdorf, den Pastor Gotthold Albert Gumlich (1825–1902). Im Herbst 1854 war Kilian, der seit 1847 die Gemeinde Weigersdorf-Klitten sowie weitere altlutherische Gemeinden in der Lausitz betreut hatte, mit einer Gruppe von über 500 Sorb:innen über Liverpool nach Texas aufgebrochen. Die Etappen dieser Reise sowie die Ansiedlung der Migrant:innen in Texas sind in Kilians Brief in Kürze zusammengefasst. Er bietet damit auch den heutigen Leser:innen einen Einblick in die Herausforderungen, mit denen sich die auswandernden Sorb:innen damals konfrontiert sahen: die Cholerafälle in Liverpool und auf See sowie der deswegen eingelegte Quarantäne-Zwischenstopp in Queenstown, die Ankunft vor Galveston in Texas und die weitere beschwerliche Landreise, Widrigkeiten, wie die Dürre in den Jahren 1856 und 1857, sowie die Lage in der von den Ausgewanderten gegründeten und „Serbin“ benannten Siedlung, die zum Zeitpunkt des Schreibens „schon mehr als 50 Farmen [enthält]“.

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Spielen in der DDR, oder: eine Reise durch das verschwundene Land Sachsen

Von Henrik Schwanitz

Abb. 1: Brettspiel Eine Reise durch Sachsen, VEB Kartonagen- und Bürobedarf Karl-Marx-Stadt, 1965

Der folgende Beitrag schaut auf ein Objekt der DDR-Alltagswelt, das die Themen Spielen und Reisen in der sozialistischen Gesellschaft berührt und dabei Überraschendes bereithält: Im Fokus steht das Brettspiel Eine Reise durch Sachsen, das 1965 durch den VEB Kartonagen- und Bürobedarf Karl-Marx-Stadt herausgegeben worden ist (Abb. 1). So weit, so nüchtern, mag man meinen. Doch sowohl Spiel als auch Herausgeber sind bereits interessant, handelte es sich doch bei dem vom Namen her unscheinbaren VEB Kartonagen- und Bürobedarf zum einen um den 1952 gegründeten Nachfolger des Chemnitzer Brückner-Verlags. Dieser hatte in den 1930er- und 40er-Jahren Brettspiele produziert und vermutlich bereits 19411 mit Eine Reise durch Sachsen und den Sudetengau ein ähnliches Spiel vorgelegt. Zum anderen entwickelte sich aus dem VEB wenig später der in der DDR für seine Familienspiele bekannte und beliebte VEB Spielewerk Karl-Marx-Stadt, kurz SPIKA, dessen Spiele seit 2016 sogar wieder eine Renaissance erleben.

Das Spielprinzip ist einfach: Bis zu sechs Personen bewegen sich mittels eines Würfelwurfs auf dem Spielbrett, das einer Landkarte Sachsens nachempfunden ist. Die Bewegung findet dabei entlang der nummerierten Städte statt. Start und Zielpunkt ist Dresden. Wer die damalige Bezirkshauptstadt zuerst erreicht, ist Sieger. Die Spielanleitung verspricht dabei eine „Reise durch das vielgestaltige Sachsenland, die durch die zerklüftete Felsenwelt der Sächsischen Schweiz, in das Zittauer Gebirge, durch die waldreichen Gebiete des Erzgebirges und des Vogtlands, die von tiefeingeschnittenen Flußtälern unterbrochen werden“, führt.

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  1. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (https://skd-online-collection.skd.museum/Details/Index/345743) wie im Anschluss daran auch Robin Reschke in seinem Saxorum-Beitrag (https://saxorum.hypotheses.org/8489) datieren das Spiel auf das Jahr 1932. Allerdings verweisen sowohl der Begriff „Sudetengau“ sowie die Existenz eines Druckvermerks darauf, dass das Spiel erst nach 1939 bzw. wahrscheinlich sogar vielmehr Anfang der 1940er-Jahre veröffentlicht wurde. Die Webseite BoardGameGeek verzeichnet als Publikationsjahr 1941, was diese Datierung unterstreicht (https://boardgamegeek.com/boardgame/113192/eine-reise-durch-sachsen-und-sudetengau). Für den Hinweis zum Druckvermerk danke ich Dr. Frank Metasch. – Anm. der Redaktion: Das kürzlich antiquarisch für den Bestand der SLUB beschaffte Exemplar wurde mit „um 1939“ datiert. []

Aus der Blogosphäre: Leipziger Kreisamtstestamente online

Im CompGen-Blog wird über die Onlinestellung eines Quellenbestandes aus dem Sächsischen Staatsarchiv – Staatsarchiv Leipzig berichtet: die Kartei der Leipziger Kreisamtstestamente (Zeitraum: 1696 bis 1829) aus dem Bestand 20009 Amt Leipzig. Im Rahmen eines Transkriptionsprojektes waren zuvor 6.525 Personeneinträge zu den der Testatoren bzw. deren Witwern/Witwen erfasst worden. Dazu enthält die Kartei “Daten zu Hinterlegungen, Rücknahmen und Eröffnungen [der Testamente] und die jeweiligen Fundstellen der Dokumente innerhalb der Amtsbuchserie”, womit sie eine wichtige Quelle für die für die Sozial-, Familien- und Wirtschaftsgeschichte der Messestadt Leipzig darstellt.

Digitalisate der Leipziger Testamente jetzt online – zwei Vorträge am 13.11.2025

Historische Studierendenunterlagen aus Leipzig in Wikisource. Ergebnisse eines Projektpraktikums in der Bibliothek und im Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig

Von Flora Trojahn

Worum geht es?

Das Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig (HMT) bewahrt die Studienunterlagen ehemaliger Studierender des Leipziger Konservatoriums seit dessen Gründung im Jahr 1843 auf. Dazu gehören unter anderem Inskriptionsbücher mit den Einschreibungen von Studierenden sowie ihre Zeugnisse. Auf der Plattform sachsen.digital sind die Digitalisate der historischen Quellen bereits frei zugänglich und in der Personendatenbank CARLA mit den betreffenden Studierendendatensätzen verknüpft.

Während des pandemiebedingten Lockdowns fertigten Mitarbeitende aus der Bibliothek und dem Archiv der HMT Transkriptionen für zahlreiche Studienunterlagen an, die nun zugänglich gemacht werden sollten. Nach der Sondierung einiger Optionen und kollegialer Beratung entschied sich das HMT-Team für Wikisource als passende Arbeitsumgebung. Aus diesem Grund begann im April 2025 mein zweimonatiges Projektpraktikum im Rahmen meines Studiums der Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK). In dieser Zeit sollte eine Projektarbeitsumgebung in Wikisource für die Transkriptionen von Unterlagen aus der CARLA-Datenbank vorbereitet und die entstandenen digitalen Objekte im Wikiversum verknüpft werden. Ein weiteres Ziel war die Planung einer öffentlichen Veranstaltung zum gemeinschaftlichen Transkribieren in Wikisource.

Abbildung 1

Abb. 1: Inskription der Studentin Johanna Maria Scheuffler, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Inskription_Band_6_Seite_128.pdf

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Aus der Blogosphäre: Oberpfälzische Archivbestände im Wikiversum erschließen

Im Januar haben wir um Beiträge zur Frage gebeten, wie Archive von Geokoordinaten in Wikidata profitieren können. Im noch jungen Hypotheses-Blog “Coding Oberpfalz. Auf dem Weg zu einer digitalen Landesgeschichte” stellt Max Grund (Universität Jena) daraufhin nun ein Projekt vor, in dem “Studierenden nach einer breiten Einführung historische Daten(zusammenhänge) aus mittelalterlichen Urkunden mit Hilfe der Graphdatenbank FactGrid modellieren”. FactGrid basiert auf Wikibase, der Software hinter Wikidata, und weist vielfache Bezüge zum “eigentlichen” Wikiversum auf:

Durch den offenen Ansatz von WikiData und FactGrid für die Partizipation breiter Benutzer*innengruppen ist […] eine beständige Anreicherung der Datensätze möglich. Die geo-spatialen Beziehungen sollten im Laufe der Zeit also komplexer werden.

 

Archivale georeferenzieren. Ein Praxisbericht aus dem Projekt DigiHistDB


Beitragsbild: Hintergrundvisualisierung für den 10. Geburtstag von Wikidata, entworfen von der Agentur MOR, Ausschnitt (Wikimedia Commons/Lea Lacroix (WMDE), Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Tafellieder sind kulturelles Erbe – Sammlung in der SLUB Dresden

Von Daniel Fischer

Der Begriff Tafellied ist heute wohl eher ungebräuchlich. Er begegnet uns jedoch gelegentlich noch im Zusammenhang mit Feierlichkeiten, etwa in Form selbst verfasster Lieder bei Geburtstagen, Hochzeiten oder ähnlichen Anlässen. Der Duden definiert ihn schlicht als „gemeinsam von einer Tafelrunde gesungenes Lied; Trinklied“, das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache etwas ausführlicher als ein Lied, das zu einem besonderen, festlichen Anlass gedichtet und in geselliger Runde gesungen wird. Schon bei Jacob und Wilhelm Grimm findet sich der Eintrag „tisch-, trinklied“ und als Exempel „tafellied für die freimaurer“. Tafellieder sind also anlassbezogen, in ihrer Entstehung an den Vortrag zu einem Festakt zu Tisch gebunden und somit auf gesungene Gemeinschaftserfahrung ausgelegt (Abb. 1).

Erforscht ist diese Textgattung bis dato kaum. Zwar gibt es Studien zu antiken Pendants sowie Trinkliedern in einzelnen Ländern. Eine systematische Untersuchung fehlt jedoch bislang. Dabei eröffnen gerade diese Gelegenheitslieder spannende Einblicke in Alltagskultur, Vereinswesen und die festliche Kommunikation vergangener Generationen.

Abb. 1: „Bin ein Tafellied zum Dreh’n, aber auch zum Singen schön“ – Tafellied zum 11. Stiftungs-Feste des Vereins der Beamten der Königlichen Sammlungen 1891 (SLUB Dresden, Hist.Sax.G.366,20.s-11)

Überliefert sind Tafellieder in den Gedächtnisinstitutionen des Freistaats Sachsen – so in einigen Kommunalarchiven, im Sächsischen Staatsarchiv oder in Einrichtungen wie dem Sorbischen Institut. Ein besonders reichhaltiges Korpus an Tafelliedern befindet sich in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Dort werden sie nicht nur gesammelt, sondern auch systematisch erschlossen und digital zugänglich gemacht. Weiterlesen

Sächsische Landesgeschichte im Brettspiel: Schlösserspiel. Auf Tour durch die Schlösser der Region

Von Florentine Krupper

Das Schlösserspiel ist ein vom Tourismusverband Das Zeitsprung Land – Tourismusregion Zwickau herausgegebenes Brettspiel, das die Spieler auf eine spielerische Reise durch verschiedene Burgen und Schlösser in Sachsen und Thüringen mitnimmt. Dabei ist eine Version des Spiels im Jahr 2022, eine andere 2024 erschienen.1 In diesem Bericht soll vornehmlich erstere betrachtet werden, wobei jedoch ein Exkurs zur Folgeversion erfolgt. Zum Spielen benötigt werden ein Würfel, welcher digital oder analog benutzt werden kann, und Spielfiguren, wobei es möglich ist, diese auszuschneiden, wenn man keine zur Hand hat. Das Spiel besteht aus einem Spielplan, verschiedenen Informationsfelder zu Schlössern, einem Link zu einer Würfel-App sowie Spielfiguren zum Ausschneiden. Das Spiel wurde als Werbespiel für die Schlösser und Burgen der Region Zwickau und Umgebung entworfen und soll die Spieler dazu anregen, die Schlösser selbst erkunden zu wollen.

Ziel des Spiels ist es durch Würfeln die Ziellinie als Erstes zu erreichen. Dabei bewegen sich die Spieler entlang eines festgelegten Pfades, wobei sie an verschiedenen Baudenkmälern der Region entlangkommen. Das Spiel enthält auch Ereignisfelder, die das Vorankommen beschleunigen oder auch behindern können. Dies kann beispielsweise durch das Aussetzen einer Runde geschehen.

Spielplan des Schlösserspiels, 2022 (Das Zeitsprungland – Tourismusregion Zwickau e.V., Lizenz: CC BY-ND 4.0)

Der Spielplan stellt entsprechend eine Karte mit verschiedenen Schlössern und Burgen der Region dar, aber auch andere markante Landschaftsmerkmale wie zum Beispiel die Zwickauer Mulde oder die Zschopau sind in das Spiel eingebunden. Weiterlesen

  1. Weiterhin existiert eine noch etwas ältere Ausgabe unter dem Titel Schlösserspiel im Zeitgeistreich. []

Sächsische Landesgeschichte im Brettspiel: Monopoly Dresden

Von Jean-Luc Bögner und Eric Lennart Kamper

Monopoly gilt als eines der beliebtesten und bekanntesten US-amerikanischen Brettspiele, wobei es darum geht, sich ein Immobilienimperium aufzubauen und andere Mitspieler in den Bankrott zu treiben. Es entsteht beim Spielen eine wahre Gefühlsachterbahn, wenn Straßen gekauft und mit Häusern bzw. Hotels bebaut werden, für die andere Mitspieler dann zahlen müssen. Das Spiel erfreut sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt und wird vom Spieleverlag sowie Spielzeughersteller Hasbro vertrieben. Die Geschichte hinter dem Spiel selbst als auch hinter der 20201 erschienenen Stadtedition von Dresden ist jedoch durchaus interessant.

Erste Seite des Patentantrags von Charles B. Darrow, 6. Februar 1935 (Wikimedia Commons/JohnDBuell, Public Domain)

Hauptbestandteil des Spiels sind mehrere Straßen, Bahnhöfe und Werke, die bestimmten Farben zugeordnet sind und einem definierten Wert unterliegen. Dieser bestimmt den Preis für die Straße sowie für die Gebäude, die darauf gebaut werden können. Folglich gibt es also günstigere und teurere Straßen, die einer im Vorhinein festgelegten Wertigkeit unterliegen. Basierend auf The Landlord’s Game (1904) von Elizabeth Magie Phillips (1866-1948), erschien Mitte der 1930er Jahre das erste Monopoly von Charles B. Darrow (1889-1967).2 Eine erste deutschsprachige Version wurde 1936 mit Berliner Straßennamen veröffentlicht. Nach Darstellung des Unternehmens Hasbro ließ der nationalsozialistische Propagandaminister Joseph Goebbels das Spiel jedoch kurz nach Erscheinung vom Markt nehmen, da die von ihm enteignete Insel Schwanenwerder seiner Meinung nach keiner gerechten Bewertung im Spiel unterlag. Auf dieser Insel im Bezirk Steglitz-Zehlendorf hatte er zwischen 1936 und 1938 mehrere Grundstücke von einem emigrierten jüdischen Bankier deutlich unter Marktwert erworben, woraufhin auch viele weitere nationalsozialistische Funktionäre dorthin zogen. Offiziell sei das Spiel dann aufgrund seines „jüdisch-spekulativen Charakters“ verboten worden.3 Historische Quellen für diese Darstellung gibt es allerdings nicht ausreichend.

Englischsprachiges Moonopoly-Spielbrett, Detailaufnahme (Wikimedia Commons/Rich Brooks, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Nach dem Zweiten Weltkrieg erschien das Spiel 1953 wieder in der BRD, während es in der DDR verboten war. Um das Jahr 2000 folgten dann die ersten Städteeditionen, in denen nicht von einer fiktiven Stadt wie im klassischen Monopoly ausgegangen wird, sondern von realen Straßen und Sehenswürdigkeiten in den jeweiligen Städten bzw. Regionen. Weiterlesen

  1. Ein erstes Dresden-Monopoly wurde bereits 2000 veröffentlich und erschien 2004 in 2. Auflage, vgl. https://boardgamegeek.com/boardgame/15661/monopoly-dresden []
  2. Vgl. Daniel Meßner/Richard Hemmer: Kleine Geschichte von Monopoly und warum wir es heute verkehrt spielen. In: Spektrum.de, 1. Juli 2020, https://www.spektrum.de/kolumne/monopoly-die-geschichte-eines-der-erfolgreichsten-brettspiele/1748112. []
  3. Vgl. Maritta Adam-Tkalec: Goebbels-Monopoly – Wie Schwanenwerder ins Spiel kommt und was Hitler damit zu tun hat. In: Berliner Zeitung, 23. Juli 2023, https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/goebbels-monopoly-auf-schwanenwerder-hat-hitlers-vertrauter-das-spiel-verboten-li.367782. []

Sächsische Landesgeschichte im Brettspiel – Ergebnisse der Übungsveranstaltung „Mit Pöppel und Würfel durch Sachsen“

Wie stellt sich sächsische Landesgeschichte in Brettspielen dar und wie lässt sie sich mit den Werkzeugen von Historiker:innen erkunden? Welche Ergebnisse liefert die klassische Quellenkritik, wie bewertet und ordnet man sie ein?

Im Wintersemester 2024/25 fand unter Leitung von Martin Munke und Robin Reschke am Institut für Geschichte der Technischen Universität Dresden die Übung „Mit Pöppel und Würfel durch Sachsen“ statt, ergänzend zu einem Workshop mit Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen1. In der Lehrveranstaltung hatten Studierende die Möglichkeit, sich solchen Fragen anzunähern. Hierzu konnten sie auf den thematisch einschlägigen Brettspielbestand der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek zurückgreifen. Von den etwa 70 Objekten, die die Sammlung im Referat Saxonica und Kartensammlung mittlerweile umfasst, wurden mehrere für eine tiefere Analyse ausgewählt. Die Studierenden näherten sich Ihnen sowohl spielend als auch wissenschaftlich, indem sie die Spiele als kulturelle Artefakte mit Blick auf ihre historischen Inhalte und ihr didaktisches Potential untersuchten2. Die Ergebnisse wollen wir in den kommenden Wochen in einer Blogreihe präsentieren und zur Diskussion stellen – mit herzlichem Dank an die Studierenden für ihre Beteiligung. Teilweise haben sie die Texte selbst verfasst, teilweise ihre Rechercheergebnisse für die weitere Analyse der Spiele zur Verfügung gestellt.

Die Beiträge in alphabetischer Reihenfolge der Spieletitel, Links und Veröffentlichungsdatum werden jeweils nach Erscheinen ergänzt:

Ergänzt wird die Reihe um weitere Texte, die im zeitlichen Umfeld der Übung entstanden sind:

  • „Spielen in der DDR, oder: eine Reise durch das verschwundene Land Sachsen“ zu Eine Reise durch Sachsen (Henrik Schwanitz, 11. Dezember 2025, Zweitveröffentlichung eines Beitrags aus der Reihe „Fundstück aus dem ISGV“, saxorum.hypotheses.org/14701)

Beitragsbild: Escape from Colditz in einer Ausstellungsvitrine zur Langen Nacht der Wissenschaften 2024 in der SLUB (Foto: Daniel Fischer, Lizenz: CC BY 4.0)

Letztes Update: 19. Februar 2026

  1. Vgl. Robin Reschke: „Sächsische Geschichte spielend entdecken? Das Brettspiel als interaktiver Zugang für historisches Lehren und Lernen“ – ein Werkstattbericht, 17. Dezember 2024, https://saxorum.hypotheses.org/12154 []
  2. Vgl. dazu Robin Reschke/Martin Munke: Mit Pöppel und Würfel durch die Landesgeschichte. Spielekultur in wissenschaftlich-bibliothekarischen Kontexten, 31. Juli 2025, https://saxorum.hypotheses.org/13689 []

Mit Pöppel und Würfel durch die Landesgeschichte. Spielekultur in wissenschaftlich-bibliothekarischen Kontexten

Erweitertes Abstract zur Tagung „Spielkultur denken: Perspektiven der Spielwissenschaft“ im Rahmen der Krönchen Convention, 2. August 2025, Siegen.

Von Robin Reschke und Martin Munke

Spiele mit historischen Inhalten fungieren als Spiegel sozialer Normen und Werte, sowie des kollektiven Geschichtsbewusstseins, dass vor allem in popkulturellen Kontexten reproduziert und modifiziert wird. (Spiel-)„Medien als Vermittlungsinstanzen und Transformatoren“ (Astrid Erll) zwischen Rezipienten, gegenwärtigen Geschichtsbilden und zeitgenössischer Populärkultur können solche Bilder konstruieren, verstärken oder überwerfen. Das inhärente didaktische Potential von Spielen erlaubt eine kritische Beschäftigung mit Geschichte im weitesten Sinne – sei es, um tradierte Geschichtsbilder zu hinterfragen, Geschichtsmythen zu dekonstruieren, Kontingenz und Kontrafaktizität erfahr- und experimentierbar zu machen oder schlicht um Inhalte auf spielerische Weise zu vermitteln.

Gegenwärtig fehlt es großflächig noch an institutionell verankerten Orten, die eine Grundlage für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Gaming dauerhaft bereitstellen. Als Medien- und Wissens-speicher können (wissenschaftliche) Bibliotheken diese Rolle übernehmen. Sie verfügen über notwendige Ressourcen und Expertise im Umgang mit kulturellen Artefakten unterschiedlichster Provenienz. Im Kontext der Bestandserhaltung, des Angebots und der Vermittlung bieten Bibliotheken darüber hinaus eine ideale Grundlage, um analoge (und perspektivisch digitale) Spiele Nutzer:innen barrierearm zugänglich zu machen. So bietet die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten für eine spielwissenschaftliche Auseinandersetzung, die am Beispiel der prototypischen Brettspielsammlung des Referats Saxonica und Kartensammlung erprobt werden. Weiterlesen

Aus der Blogosphäre: Immaterielles Kulturerbe in Daten und Digitales zur Kulturhauptstadt Chemnitz

Wie lässt sich das immaterielle Kulturerbe digital erfassen und beschreiben? Eine Arbeitsgruppe, die sich aus MitarbeiterInnen verschiedener sächsischer Forschungseinrichtungen konstituiert hat, möchte zu diesen Fragen ein Konzept- und Methodenpapier erarbeiten. Antje Reppe von der Beratungs- und Forschungsstelle für Immaterielles Kulturerbe in Sachsen des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde fasst die Ergebnisse des Auftaktworkshops am 5. Juni im Makerspace der SLUB Dresden zusammen und informiert über Möglichkeiten zur Mitarbeit, u.a. an der geplanten Festlegung eines gemeinsamen Kerndatensatzes.

https://www.ike-sachsen.de/forum/bericht-neue-arbeitsgruppe-in-sachsen-beschaeftigt-sich-mit-herausforderungen-der-verdatung-immateriellen-kulturerbes


Möglichkeiten zur digitalen Annäherung an der Vergangenheit der aktuellen europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz bietet das Bundesarchiv mit einer Themenseite, auf der Beiträge zur Stadtgeschichte mit Dokumenten, Fotos und Filmen aus den Beständen der Einrichtung versammelt sind. Eine Bildergalerie widmet sich z. B. dem Alltagsleben in den 1950er Jahren, rings um die 1953 erfolgte Umbenennung in Karl-Marx-Stadt.

https://www.bundesarchiv.de/chemnitz-in-den-bestaenden-des-bundesarchivs/

Ergänzend empfiehlt sich ein Blick in die Sächsische Bibliografie, die aktuell fast 13.500 Einträge mit dem Schlagwort “Chemnitz” enthält. Davon verweisen über 1.700 auf digital verfügbare Ressourcen.


Beitragsbild: Walter Möbius: Chemnitz von Süden, 1935, Ausschnitt (SLUB/Deutsche Fotothek, Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Aus der Blogosphäre: Bautzener Schulgeschichte digital erforschen

Schon im April wurde in den Blogs des Vereins für Computergenealogie und des Archivverbundes Bautzen auf ein neues Kooperationsprojekt hingewiesen: die digitale Erfassung möglichst aller Schüler, die zwischen 1642 bis 1937 das Bautzener Ratsgymnasium besuchten. Anlass ist das 2027 zu feiernde 500-jährige Jubiläum der humanistischen Bildung in der Stadt, das sich auf die Gründung der evangelischen Ratsschule 1527 bezieht.

500 Jahre humanistische Bildung in Bautzen – Kooperation zwischen dem Stadtarchiv Bautzen und CompGen

Zwischenzeitlich fand das erste Treffen von interessierten Freiwilligen statt, die an der Erfassung mitwirken möchten. Geplant ist ein Methodenmix aus automatisierter Erfassung und manueller Korrektur, die entstehenden Daten werde über die Software webtrees veröffentlicht.


Beitragsbild: Ansicht des Bautzener Gymnasiums (Bildmitte), Lithographie, um 1840. Vorlage: SLUB, Kartensammlung, KS B8401 (via SLUB/Deutsche Fotothek, Lizenz: Public Domain Mark 1.0)

Der schriftliche Nachlass Fritz Löfflers: Netzwerke der Bildenden Kunst

Vortrag zur Veranstaltung „Das alte Dresden heute – Fritz Löffler und die Denkmalpflege“, 4. März 2025

Von Thomas Stern

Fast 200 Nachlässe und Sammlungen des Gesamtbestandes von etwa 500 Personen- und Familienarchiven der Sächsischen Landesbibliothek – Staats-  und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) stammen mittlerweile von Künstlerinnen und Künstlern, Galerien oder Protagonisten der Kunstvermittlung. Neben so prominenten Namen wie Werner Schmidt, von 1959 bis 1989 Direktor des Dresdner Kupferstichkabinetts und anschließend Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Ernst Hassebrauk, dem Dresdner Maler, dem es gelang mit seinen farbenfrohen Bildern die Lebensfülle barocker Malerei und die Feinsinnigkeit des Rokoko in die Malerei des 20. Jahrhunderts zu übertragen oder dem Fotografen Christian Borchert, einer der bedeutendsten deutschen Fotografen des ausgehenden 20. Jahrhunderts, kam auch der Nachlass des Kunsthistorikers Fritz Löffler (Abb. 1) in seinem Todesjahr 1988 als Vermächtnis in die damalige Sächsische Landesbibliothek (SLB). Bereits ein Jahr zuvor übergab Löffler gemeinsam mit Joachim Heuer den Nachlass des Dresdner Kunsthistorikers Wolfgang Balzer, der nach seiner Zeit als Direktor des Kunstgewerbemuseums von 1946 bis 1951 bis zu seiner Pensionierung die Direktion der SKD innehatte, ebenfalls der SLB.

Abb. 1: Der Kunsthistoriker Dr. Fritz Löffler am Schreibtisch in seiner Wohnung, 1979/81 (Deutsche Fotothek/Martin Würker, Lizenz: Rechte vorbehalten ­– Freier Zugang)

Als staatlicher Sammelschwerpunkt für Bildende Kunst übernahm die Sächsische Landesbibliothek als Vorgängerinstitution der SLUB bereits ab 1966 die Aufgabe der Publikation der Bibliographie Bildende Kunst und begann ab 1982 mit der Sammlung von originalgrafischen Büchern. Ein Jahr später wurde die Landesbibliothek schließlich auch Zentrale Fachbibliothek für Bildende Kunst und Musik der DDR und baute systematisch Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern, Galerien und kunstvermittelnden Personen in der DDR auf. In diesem Zusammenhang begann man ab Ende der 1980er Jahre diese Verbindungen zu nutzen, um einen Ort der Sammlung von Beständen mit Zusammenhang zur Bildenden Kunst zu etablieren. Diese Nachlässe, Vorlässe und Sammlungen stellen eine wichtige Quelle für die Wissenschaft dar und bieten Informationen zum Leben der Nachlasserinnen und Nachlasser, deren Familie oder deren (Lebens-)Werk. Sie werden von Gedächtnisinstitutionen wie Bibliotheken, Archiven und Museen oder in den angeschlossenen Archiven von Kunst oder Wissenschaft fördernden Institutionen, wie beispielsweise der Sächsischen Akademie der Künste, bewahrt. Dort werden sie geordnet, erschlossen und der Wissenschaft zugänglich gemacht. Die SLUB bewahrt in ihren Sammlungsabteilungen – der Musikabteilung, der Deutschen Fotothek und der Abteilung Handschriften, Alte Drucke und Landeskunde – Nachlässe und thematisch angelegte Sammlungen von Musikern, Künstlern, Literaten, Wissenschaftlern und auch von bedeutenden Köchen und Sammlern im Deutschen Archiv der Kulinarik als Gemeinschaftsprojekt der TU Dresden und der SLUB Dresden.

Der Nachlass von Fritz Löffler umfasst insgesamt über 8000 Dokumente, die in über 60 Archivkartons aufbewahrt werden. Die Unterlagen sind in Kalliope, der Verbunddatenbank für Nachlässe und Autographe erschlossen worden. Damit ist der Nachlassbestand online zugänglich und bietet die Möglichkeit im Nachlass zu recherchieren und die recherchierten Unterlagen im Lesesaal Sammlungen der Bibliothek zu nutzen. Darüber hinaus besteht ein Spezialverzeichnis des Nachlasses, welches ebenfalls als Findbuch genutzt werden kann und in physischer und digitaler Form vorliegt. Weiterlesen