Das verschwundene jüdische Leipzig. Digitale Wiederentdeckung von Orten jüdischer Religionsausübung in Leipzig

Von Erik Fuhrken

Einführung

Wer heute durch Leipzig geht, wird nur an wenigen Orten auf Hinweise auf jüdisches Leben stoßen. Schnell entsteht der Eindruck, die jüdische Gemeinde habe in der Stadt nie eine bedeutende Rolle gespielt. So zählte die Leipziger jüdische Gemeinde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs weniger als 30 Mitglieder (Pester/Trautmann/Hartinger 2023: 32). Erst bis 2023 konnte die Gemeinde wieder auf über 1.200 Gemeindemitglieder anwachsen und ist damit heute die größte jüdische Gemeinde Ostdeutschlands (Pester/Trautmann/Hartinger 2023: 37).

Das besonders einschneidende Ereignis im Nationalsozialismus hinsichtlich der räumlichen Präsenz von Jüdinnen und Juden sind die Pogromereignisse vom 9. November 1938 (Ristau 2018). Mit der Verwüstung und Entweihung jüdischer Synagogen und Gebetshäuser sowie der anschließenden Schließung dieser Einrichtungen wurde das religiöse Leben der Gemeinde dauerhaft zerstört (Pester/Trautmann/Hartinger 2023: 32). Insgesamt sind die Zerstörung von mindestens drei Synagogen, vier Bethäusern, einer Friedhofskapelle sowie die Niederbrennung der beiden großen Synagogen in der Gottschedstraße (Abb. 1) und Otto-Schill-Straße belegt (Trautmann 2024: 42). In dem folgenden Beitrag will ich mittels einer digitalen Rekonstruktion herausfinden, wie sichtbar jüdisches Leben vor 1938 wirklich war und inwiefern die jüdische Gemeinde die Stadt Leipzig räumlich prägte. War Leipzig vor dem Nationalsozialismus also nur eine Stadt mit einer kleinen jüdischen Minderheit oder ist dieser Eindruck vor allem das Ergebnis der Zerstörung und des Vergessens?

Abb. 1: Synagoge in der Gottschedstraße, Ansicht von Nordosten. Stich von Alfred Krauße nach einer Zeichnung von Adolf Eltzner, 1850 (Quelle: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Kupferstich-Kabinett via Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Mit der Georeferenzierung der einzelnen Orte der Religionsausübung kann die religiöse Vielfalt Leipzigs vor der Reichspogromnacht gezeigt werden. Unter Orten der Religionsausübung können Betstuben in Privatwohnungen verstanden werden, Betstuben einzelner jüdischer Vereine, Synagogen oder von jüdischen Vereinen betriebene Ritualbäder. Darüber hinaus soll die räumliche Darstellung verdeutlichen, wie sich die jüdische Gemeinde im Laufe der Zeit entwickelte und wuchs. Dies geschieht durch eine farbliche Kennzeichnung der Orte nach ihrem Gründungszeitraum. Abschließend sollen alle Orte der Religionsausübung auf einem historischen Stadtplan der Stadt Leipzig projiziert und dargestellt werden. Weiterlesen →

Aus der Blogosphäre: Transkription des Besucherbuches der Kurfürstlich-Königlichen Bibliothek Dresden

In einem Citizen-Science-Projekt arbeiten die Sächsische Bibliotheksgesellschaft und die SLUB seit einiger Zeit an der Transkription der Besucherbücher der Kurfürstlich-Königlichen Bibliothek in Dresden aus dem Zeitraum 1753 bis 1813: Bbliotheksgeschichte zum Mitmachen. Der Workflow wurde im vergangenen Sommersemester auch im Rahmen des Datenkompetenz-Seminars im Master-Studiengang Digital Humanities der TU Dresden disktutiert und erprobt. Dimitrij Schäfer stellt im Projektblog des Studienganges die Methodik und beispeilhafte Auswertungsmöglichkeiten der Quelle vor:

Transkription des Besucherbuchs der Kurfürstlichen-Königlichen Bibliothek Dresden (SLUB Bestand).Qualitative Forschung anhand von Martin Jenisch d. Ä.

Volltextsuche auf Spuren historischer Brände und Feuerwehrbegriffe

Von Daniel Fischer und Jens Bemme

Waldbrände in Europa und weltweit lenken unseren Blick auf das ‘Feuer’ in Sammlungen digitaler Bibliotheken. Große und kleine Brandkatastrophen beschäftigen die Menschheit seit jeher und haben einen reichen historischen Wortschatz rund um Feuer, Brände und das Feuerwehrwesen hervorgebracht. Diese Vokabeln finden und spiegeln sich in überlieferten Zeitungen, Verordnungen, Berichten und vielen weiteren Quellen wider.

Dieser Blogpost lädt zu einer Entdeckungstour durch historische Begrifflichkeiten und Schreibweisen rund um das Brandwesen ein, die sich in den Volltexten von Digitalisaten aus den Digitalen Sammlungen der SLUB sowie dem Portal Sachsen.digital nachweisen lassen.

Die Gartenlaube (1864) b 733 1Oswald Faber: Leute bei der Spritze, Die Gartenlaube, 1864, Nr. 46, S. 733, via Wikimedia Commons.

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Aus der Blogosphäre: Lied der Töpfer, Volkslied, am Tauftage gesungen – Stadtarchivische Sammlungen im Naturalienkabinett Waldenburg

Waldenburg.

Das Historische Naturalienkabinett wurde 1845/46 in der zweiten Etage des Museums eingerichtet. (…) Die hier erlebbare Mischung ist in Deutschland einzigartig: Sie vereint die bürgerliche Gelehrten-Sammlung der Leipziger Apothekerfamilie Linck aus dem 17./18. Jh. mit einer fürstlichen Lehrsammlung des 19. Jh. Bis 1945 kamen weitere Konvolute von Naturalien und Ethnografica sowie Einzelstücke hinzu, die in die einmal gefundene Präsentation integriert wurden.

Die Stadtarchivischen Sammlungen im Naturalienkabinett Waldenburg boten im Juni Anlass für einen Archivbesuch, um Lieder und andere Dokumente einzusehen und Kooperationen auszuloten.

 Zu den Schriftstücken zählen neben Chroniken Waldenburgs auch Archivgut aus der Schönburgischen und Waldenburger Kommunalverwaltung, von diversen Vereinen und Verbänden, Tagebücher des produzierenden Gewerbes sowie Chroniken der lokalen Kirchgemeinden. Im Jahr 2017 wurde zu diesem Bestand ein Findbuch durch den Regionalforscher Michael Etzold erstellt, das hier abrufbar ist.

Ein Beitrag im Blog des Naturalienkabinetts dokumentiert den Besuch, gemeinsame Transkriptionen und Ideen.

Link zum Blogbeitrag: https://www.museum-waldenburg.de/blog/detail/ein-ausflug-nach-waldenburg

Lieder – historische Quellen

Quelle: openbiblio.social/@slubdresden, 24. Juli 2026

Schon gewusst? Wikipedia heute: Tafellied

Die Melodie eines Tafellieds sollte unter den Festgästen bekannt sein.

Diese Zeile steht heute auf der Startseite der deutschsprachigen Wikipedia unten in der Rubrik Schon gewusst?, um Neugier zu wecken.1

Der Wikipediaartikel Tafellied ist neu. Er entstand am 14. Juni2 auf Grundlage der Tafellieder in der SLUB3, Transkriptionen mit der Wikisource-Gemeinschaft4, Funden in sächsischen Archiven und Blogbeiträgen, um die Literaturgattung wieder bekannt zu machen.5 Spannend ist vor allem, was seit der Veröffentlichung mit dem Artikel passiert.

Der Artikel wurde am 20. Juni für die Startseitenrubrik Schon gewusst vorgeschlagen und erst skeptisch kommentiert. Die Herausforderung: Es gibt sehr wenig Literatur über Tafellieder, um Aussagen belegen zu können ohne grundlegend neue Forschung zu publizieren. Der Tafellied-Artikel ist gleichwohl ‘Stand der Forschung’. Denn der Text in der Wikipedia wuchs durch die Bearbeitungen und die Recherchen Dritter.6

Solche Dynamiken der Kommunikation und Wissensproduktion sind mit die wichtigsten bzw. wertvolle Wirkungen von Wikipediaartikeln für z. B. landesbibliothekarische Themen aus Sachsen. Tafellieder gab und gibt es in vielen Gegenden, was eine Suche im Archivportal-D beweist.7 Ein räumlicher Schwerpunkt der Erschließung ist seit ein paar Jahren die SLUB Dresden durch uns im Saxonica-Referat und engagierte Kolleginnen im Sächsischen Staatsarchiv.

Tafellied gesucht 1897
Neues Tagblatt und General-Anzeiger für Stuttgart und Württemberg, 1897-09-25, Nr. 224, S. 8, via Wikimedia Commons.

Ob Tafellieder in Sachsen8 tatsächlich öfter gedichtet und gesungen wurden als bspw. in Berlin, Wismar, Stuttgart9 und Thüringen10, kann man nicht einfach ableiten. Solche Fragen sind offen.

Für Grundlagenforschung fehlen uns Zeit, Auftrag und Ressourcen: Wir stehen am Anfang der Lernkurve Tafellied und am Anfang der Wissensproduktion. Neugier und Interesse können wir wecken. Die bibliografische Erschließung für die Sächsische Bibliografie läuft.

Wikipedia:

Ein Tafellied ist ein Lied, das für eine bestimmte festliche Gelegenheit gedichtet wird, um gemeinsam bei einer Liedertafel oder sonstigen Tafelrunden gesungen zu werden.11

https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tafellied&oldid=268551514

  1. De.Wikipedia: Archiv der Rubrik Schon gewusst, 06. Juli 2026, https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite/Schon_gewusst/Archiv. [↩]
  2. Wikipedia: Tafellied, 14. Juni 2026, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tafellied&oldid=267933637. [↩]
  3. Daniel Fischer: Tafellieder sind kulturelles Erbe – Sammlung in der SLUB Dresden, Saxorum, 30. September 2025, https://doi.org/10.58079/14tm6. [↩]
  4. Wikisource.de: Tafellieder, https://de.wikisource.org/wiki/Tafellieder. [↩]
  5. Thekla Kluttig: Tafellieder – eine noch zu entdeckende Textgattung, SAXARCHIV-Blog, 16. Juni 2025, https://doi.org/10.58079/144tk. [↩]
  6. Wikipedia: Versionsgeschichte des Artikels ‘Tafellied’, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tafellied&action=history. [↩]
  7. Archivportal-D: Tafel*lied, https://www.archivportal-d.de/objekte?query=Tafel*lied [↩]
  8. Beitragsbild: Tafellied und Mundart – in „Keeniglich Säcksische Värsche“, SLUB Dresden, Hist.Sax.H.350,40.g,11 [↩]
  9. WLB Stuttgart: Neues Tagblatt und General-Anzeiger für Stuttgart und Württemberg, 1897-09-25, Nr. 224, S. 8, http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/kxp1811805795-18970925/page/8. [↩]
  10. Schulportal Thüringen: Tafellieder – Informationen, Digitalisate und Einsatzmöglichkeiten im Bildungsbereich, 2026, https://www.schulportal-thueringen.de/media/detail?tspi=18946. [↩]
  11. Günter Kempcke, Ruth Klappenbach, H. Malige-Klappenbach: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. Band 5. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2022, ISBN 978-3-11-257820-9, S. 3681. [↩]

Aus der Blogosphäre: Wenn Kruzianer feiern

Seit längerer Zeit befassen sich Jens Bemme und Daniel Fischer für das Saxonica-Referat der SLUB mit Tafelliedern als einer Quellengattung, die “spannende Einblicke in Alltagskultur, Vereinswesen und die festliche Kommunikation vergangener Generationen [eröffnet]”. Für die Seite “Musik in Dresden” stellt Jens das “Tafellied zur Crucianer-Feier am 2. Mai 1891” vor. Wie viele weitere auch wurde es in der freien Quellensammlung Wikisource transkribiert.

Weiterlesen hier: www.musik-in-dresden.de/2026/05/03/wenn-kruzianer-feiern

Nachlassinformationen aus Kalliope für Wikidata erschließen

Ein Beitrag zum Call ‘Wie Archive von Geokoordinaten in Wikidata profitieren‘ (2025). Von Alexander Winkler.

LODifizierung von GLAM-Daten

Viele der Erschließungsdaten aus Kulturerbeeinrichtungen (in der Folge kurz GLAMs für Galleries, Libraries, Archives und Museums) sind mittlerweile maschinenlesbar verfügbar und orientieren sich – bald mehr bald weniger – an den FAIR-Prinzipien.[1]

Die tatsächliche Nachnutzbarkeit[2] ist aber nicht immer voll ausgeprägt. Zahlreiche unterschiedliche Wege des Datenabrufs, mangelnde Dokumentation, eine Vielzahl von Datenformaten – um nur einige Hemmnisse und Herausforderungen zu nennen – können die Arbeit mit GLAM-Daten erschweren. Die Daten sind zwar oft von hoher Qualität und verwenden insbesondere etablierte Vokabulare und Normdaten; bei genauerem Besehen brauchen aber auch diese qualitativ hochwertigen Daten oft noch eine gewisse Vorverarbeitung, ehe sie produktiv genutzt werden können.

So werden Normdaten oft unterschiedlich eingebunden: mit schlichten (und damit schwer maschinell auflösbaren) IDs, mit falschen URIs[3] etc. Es muss also vor einer Weiterverarbeitung erst eine Harmonisierung der Daten erfolgen. Vor der Verarbeitung an sich müssen zudem relevante Daten erst lokal individuell zusammengetragen werden. Die Korpusbildung geht also der Nutzung voraus.

Die Überführung von GLAM-Daten in Linked Open Data (LOD), d.h. die Integration von GLAM-Daten in einen sog. Wissensgraphen kann einige der skizzierten Hürden absenken. LOD sind offen, maximal verknüpft, maschinenlesbar und hoch interoperabel. Verschiedene LOD-Bestände lassen sich über eine sog. Föderation im Verbund abfragen, sodass – so zumindest die Idee – einer Silo-Bildung entgegengewirkt wird.

Das besondere Potential von LOD ist im Kulturerbesektor längst erkannt, wie die Bemühungen der einschlägigen NFDI-Konsortien demonstrieren.[4] Viele dieser Wissensgraphen entwickeln eine eigene Ontologie, die die möglichen Beziehungen zwischen den verschiedenen enthaltenen Entitäten definieren. Es mag hierfür überzeugende inhaltliche Gründe geben, eine optimale Nachnutzbarkeit profitiert jedoch von einem möglichst einheitlichen Datenmodell und einer mehr oder minder zentralisierten Infrastruktur.

Hier kommt nun Wikidata ins Spiel. Weiterlesen →

Aus der Blogosphäre: Neue Perspektiven für Personenrecherchen zum HASAG-Komplex

Bereits vor längerer Zeit haben wir im Blog das Forschungsprojekt zu Unternehmenskultur, Zwangsarbeit und Judenmord beim Leipziger Rüstungskonzern HASAG vorgestellt. Im jüngsten Beitrag auf seinem eigenen Blog erläutert Martin Clemens Winter die Möglichkeiten für seine Forschung, die sich durch die vollständige digitale Veröffentlichung der mikroverfilmten NSDAP-Zentralkartei sowie -Ortsgruppenkartei durch die US-amerikanische National Archives and Records Administration ergeben:

Perspektivisch kann die Auswertung der NSDAP-Mitgliederkartei über eine Sammlung von Einzelfällen hinaus helfen, weitere Einblicke in die politischen Verhältnisse innerhalb des größten sächsischen Rüstungskonzerns im „Dritten Reich“ zu gewinnen. […] Auch hinsichtlich des Einsatzes von HASAG-Angehörigen in den Zweigwerken im besetzten Polen werden durch die Auswertung der NSDAP-Karteien nicht nur zahlreiche neue Namen bekannt, sondern es können auch Bezüge zwischen Parteimitgliedschaft und Führungspositionen in der Betriebshierarchie untersucht werden. Außerdem wäre denkbar zu prüfen, wie sich die Parteimitglieder im Hinblick auf das Beschäftigungsverhältnis etwa auf Arbeiter:innen und Angestellte aufteilen, um weitere Einblicke in die soziale Struktur der HASAG zu erhalten.

Die Beteiligung an NS-Verbrechen bei der HASAG war keineswegs an eine Mitgliedschaft in der NSDAP geknüpft. Auch zahlreiche Männer und Frauen, die der Partei nicht angehörten, waren darin involviert. Angesichts der eklatanten Überlieferungslücke zur deutschen Belegschaft bietet die Veröffentlichung der NSDAP-Karteien nun die Möglichkeit, mit den Parteimitgliedern im Unternehmen zumindest ein konkretes und wesentliches Segment der „Betriebsgemeinschaft“ des Leipziger Rüstungskonzerns genauer in den Blick zu nehmen.

 

Millionen neue Puzzleteile: Die HASAG in den Karteien der NSDAP

Historische Quellen zum sächsischen Feuerwehrwesen online: Neue Schriftenreihe für Quellen und Forschungen auf Qucosa

Von Daniel Fischer

Die Geschichte des Feuerwehrwesens in Sachsen ist vielfältig und tief in der regionalen Alltags-, Verwaltungs- und Technikgeschichte verwurzelt. Um dieses kulturelle Erbe zu bewahren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, engagiert sich die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) seit vielen Jahren intensiv in der Digitalisierung historischer Quellen.

Mit einer neuen Online-Schriftenreihe auf Qucosa wird dieses Angebot nun gezielt erweitert.

Die Digitale Kollektion „Feuerwehrwesen in Sachsen“

Bereits seit Ende 2018 präsentieren die Digitalen Sammlungen der SLUB die thematische Kollektion „Feuerwehrwesen in Sachsen“.1 Inzwischen stehen dort mehr als 150 digitalisierte Bände zur Verfügung.

Die thematische Bandbreite ist groß. Die Kollektion enthält u. a.:

  • Feuerordnungen sächsischer Städte und Gemeinden,
  • Feuerwehrhandbücher,
  • Festschriften von Wehren und Verbänden,
  • Quellen zur historischen Feuerwehrtechnik sowie
  • Materialien zu Ausbildung und Dienstbetrieb.

Sie deckt damit rund fünf Jahrhunderte Feuerwehrgeschichte ab.

Neben Einzelbänden wurden in den vergangenen Jahren auch serielle Quellen digitalisiert. So ist die „Sächsische Feuerwehr-Zeitung“, das frühere Verbandsorgan des Landesverbandes sächsischer Feuerwehren, mit den Jahrgängen von 1886 bis 1907 online frei zugänglich. Sie bietet einen wertvollen Quellenfundus zur Entwicklung von Feuerwehr und Brandschutz in Sachsen.

Neue Schriftenreihe als Ergänzung und Erweiterung

Als Ergänzung zu den Digitalen Sammlungen wurde nun auf Qucosa die Schriftenreihe „Historische Dokumente zum Feuerwehrwesen in Sachsen“ ins Leben gerufen.

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  1. Vgl. Hermann, Konstantin/Munke, Martin: „Retten – bergen – helfen!“. Historische Quellen zur Geschichte der sächsischen Feuerwehren digital. In: SLUBlog, 10. November 2018, https://blog.slub-dresden.de/beitrag/2018/11/10/retten-bergen-helfen-historische-quellen-zur-geschichte-der-saechsischen-feuerwehren-digital. [↩]

Kartierte Machtdemonstration: Ein digitaler Zugang zur Besetzung des öffentlichen Raumes durch nationalsozialistische Veranstaltungen während des Reichstagswahlkampfes 1936 in Dresden

Von Henrik Selle

Großveranstaltungen spielten für das öffentliche Auftreten der Nationalsozialisten eine zentrale Rolle. Sie wurden gezielt als ein Mittel eingesetzt, die Bilder einer disziplinierten und kraftvollen Bewegung zu erzeugen (vgl. Hagen 2008: 350 f.). Es gab Militärparaden, Feste oder Kundgebungen mit hochrangigen Funktionären, wie etwa der Wahlkampfbesuch Hermann Görings in Dresden im späten März 1936 (Abb. 1). Die sorgfältige Dokumentation und fortlaufende Reproduktion dieser Ereignisse in Fotografie, Film und Presse trug wesentlich dazu bei, dass sie bis heute die Vorstellungen über den Nationalsozialismus prägen (vgl. Hagen/Ostergren 2006: 175).

Abb. 1: Titel eines Artikels zur Großkundgebung mit Hermann Göring in der Straßenbahnhalle Waltherstraße Dresden am 22. März 1936. In: Der Freiheitskampf vom 23. März 1936, S. 5 f.

Der Fokus auf das „Spektakuläre“ versperrt jedoch den Blick auf andere, weniger beachtete Formen der öffentlichen Präsenz der Nationalsozialisten. Wie Lokalbeiträge und Veranstaltungsankündigungen des Dresdner NS-Presseorgans Der Freiheitskampf (FHK) zeigen, fand diese nicht nur in den sporadischen Höhepunkten ihren Ausdruck. Vielmehr entwickelten die Nationalsozialisten auch ein dichtes Netz aus regelmäßigen Parteiveranstaltungen und -aktivitäten. Sebastian Haffner schrieb 1939 aus dem englischen Exil heraus über „die Hakenkreuzfahnen überall, die braunen Uniformen, denen man nirgends auskam […]“ (Haffner 2000: 235) – ein zeitgenössischer Hinweis darauf, dass gerade diese Omnipräsenz der NS-Veranstaltungskultur den öffentlichen Raum und damit die unmittelbare Lebenswelt der Bevölkerung maßgeblich beeinflusste. Eine genauere Betrachtung der Veranstaltungsbeiträge im FHK, ihre exemplarische, digitale Visualisierung und Auswertung eröffnen daher eine Perspektive darauf, mit welcher Systematik der öffentliche Raum durch die Nationalsozialisten besetzt worden ist. Im Rahmen meiner Masterarbeit im Studiengang Digital Humanities an der Technischen Universität Dresden konnte ein digitales Modellierungssystem entworfen werden, das es ermöglicht, die Veranstaltungsbeiträge im FHK systematisch zu erfassen, die räumliche Dimension des NS-Veranstaltungsapparates zu visualisieren und auszuwerten. Einen ersten Einblick in diese Auswertungsmöglichkeiten möchte ich mit diesem Beitrag geben.

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Aus der Blogosphäre: Lebenswege von Arbeiterinnen in der vogtländischen Textilindustrie

Die Reihe „Hätte ich das mal eher gewusst…“ auf dem Hypotheses-Blog href. A Link to Digitized Primary Source Projects in German and Global History thematisiert Erfahrungen mit digitalen Projekten im Geschichtsbereich. In einem aktuellen Beitrag stellt Helena Friedrich Schwinghammer Erfahrungen aus ihrem Projekt zur geschlechterhistorischen Dimension der Deindustrialisierung in der Textilbranche des Vogtlands vor. Eine Quellengrundlage waren die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Zu deren Kombination mit analogen Quellen resümiert sie:

Der Mehrwert der digitalen Arbeit war für mein Projekt enorm, denn Frauen in der Deindustrialisierung haben nur selten Archivquellen hinterlassen – sie blieben in archivalischen Quellen oft unsichtbar. Durch die Arbeit mit den SOEP-Daten konnte ich die Lebenswege der Frauen nachzeichnen, ihre Sorgen und Ängste abbilden und weibliche Deindustrialisierung überhaupt erst greifbar machen. Hätte ich mich allein auf analoge Quellen verlassen, hätte ich meinen Untersuchungsgegenstand nur unzureichend beleuchten können. Die Verbindung von klassischen archivalischen Quellen und den digitalen Sozialdaten war für meine Arbeit sehr hilfreich.

 

Hätte ich das mal eher gewusst …mit Helena Friedrich Schwinghammer

Digitale Kulturdaten in Sachsen vernetzen. Bericht zur DIKUSA-Abschlusstagung (15.–16.12.2025) in Leipzig

Von Ansgar Engels

Am 15. und 16. Dezember 2025 fand in der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (SAW) die Abschlusskonferenz des Projekts DIKUSA – Vernetzung digitaler Kulturdaten in Sachsen statt. Sechs außeruniversitäre geisteswissenschaftliche Forschungsinstitutionen in Sachsen führten dieses Verbundprojekt innerhalb von vier Jahren durch. Für die Vernetzung der Daten kooperierten diese Einrichtungen auch mit der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) sowie mit dem Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) in Leipzig. Die Ziele waren die Entwicklung einer gemeinsamen technischen Infrastruktur sowie die Erforschung ausgewählter Aspekte der Kultur- und Sozialgeschichte Sachsens in sechs Teilprojekten. Aufgrund dieser Konzeption konnten die digitalen Kompetenzen der beteiligten Institutionen gestärkt werden.

Präsentation zur DIKUSA-Abschlusstagung (© SAW/Birgit Pfeiffer)

Insgesamt betrachtet haben die Teilprojekte den Raum Sachsen in seinen historischen und heutigen Grenzen mit einem Fokus auf die Zeit vom 17. bis zum 20. Jahrhundert erforscht. Die konkreten Themen waren dabei vielfältig: Weiterlesen →

„Lege aber dieses alles ad acta für eine Geschichte der hiesigen lutherischen Gemeine, welche später geschrieben werden kann“. Briefe Johann Kilians an Gotthold Albert Gumlich

Von Annette Scherer

„Dieser Brief an Dich ist der erste, den ich aus Texas an einen Geistlichen nach Deutschland schreibe. Denn Geistliche erwarten mit Grund eine Darstellung der hiesigen kirchlichen Verhältnisse, wenn sie Briefe von einem Amtsbruder aus fernem Lande erhalten. Nun sind aber die kirchlichen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten Amerika’s und insonderheit in dem jungen, großen Staate Texas von der Art, daß man sich erst hinein leben muß, ehe man mit einiger Kenntniß darüber schreiben kann.“

Erste Seite des Briefs von Kilian an Gumlich vom 20. Dezember 1857 mit Erwähnung des Siedlungsnamens „Serbin“ (Quelle: sachsen.digital)

Mit diesen Zeilen beginnt Johann (auch Jan oder John) Kilian (1811–1884) im Dezember 1857 seinen ersten Brief aus Serbin an seinen Amtsnachfolger in Weigersdorf, den Pastor Gotthold Albert Gumlich (1825–1902). Im Herbst 1854 war Kilian, der seit 1847 die Gemeinde Weigersdorf-Klitten sowie weitere altlutherische Gemeinden in der Lausitz betreut hatte, mit einer Gruppe von über 500 Sorb:innen über Liverpool nach Texas aufgebrochen. Die Etappen dieser Reise sowie die Ansiedlung der Migrant:innen in Texas sind in Kilians Brief in Kürze zusammengefasst. Er bietet damit auch den heutigen Leser:innen einen Einblick in die Herausforderungen, mit denen sich die auswandernden Sorb:innen damals konfrontiert sahen: die Cholerafälle in Liverpool und auf See sowie der deswegen eingelegte Quarantäne-Zwischenstopp in Queenstown, die Ankunft vor Galveston in Texas und die weitere beschwerliche Landreise, Widrigkeiten, wie die Dürre in den Jahren 1856 und 1857, sowie die Lage in der von den Ausgewanderten gegründeten und „Serbin“ benannten Siedlung, die zum Zeitpunkt des Schreibens „schon mehr als 50 Farmen [enthält]“.

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Aus der Blogosphäre: Wikidata – Normdatenquelle auch für private Sammler und kleinere Kultureinrichtungen

In seinem privaten Blog stellt Christian Mahnke die Vorteile von Wikidata gerade für “engagierte private Sammler*innen und kleinere Kultureinrichtungen, wie lokale historische Vereine, private Museen oder Archive” heraus. Er sieht sie in den Bereichen Infrastruktur und Pflegeaufwand, Präsentation und Auffindbarkeit sowie Interoperabilität und Zukunftssicherheit. Sein Fazit:

Für private Sammlungen und kleinere Kultureinrichtungen bietet Wikidata eine Möglichkeit, ihre Sammlungen mit minimalem bis mittlerem Aufwand anzureichern, mit anderen Objekten zu vernetzen und somit in den globalen Kontext zu stellen. Zusätzlich ist es eine kostengünstigste Lösung, um die eigenen Daten zu normalisieren und damit die Sichtbarkeit und den (Daten-) Austausch zu fördern.

Hier im Blog werden wir in Kürze in zwei Beiträgen einige Beispiele vorstellen, wie und wo Wikidata gerade in diesem Kontext aktuell an der SLUB im Einsatz ist, z.B. um die Sichtbarkeit privater Initiativen und von Vereinen zu erhöhen.

Zum Weiterlesen: https://christianmahnke.de/post/authority-data-for-private-collectors/


Beitragsbild: Hintergrundvisualisierung für den 10. Geburtstag von Wikidata, entworfen von der Agentur MOR, Ausschnitt (Wikimedia Commons/Lea Lacroix (WMDE), Lizenz: CC BY-SA 4.0)

 

Aus der Blogosphäre: Leipziger Kreisamtstestamente online

Im CompGen-Blog wird über die Onlinestellung eines Quellenbestandes aus dem Sächsischen Staatsarchiv – Staatsarchiv Leipzig berichtet: die Kartei der Leipziger Kreisamtstestamente (Zeitraum: 1696 bis 1829) aus dem Bestand 20009 Amt Leipzig. Im Rahmen eines Transkriptionsprojektes waren zuvor 6.525 Personeneinträge zu den der Testatoren bzw. deren Witwern/Witwen erfasst worden. Dazu enthält die Kartei “Daten zu Hinterlegungen, Rücknahmen und Eröffnungen [der Testamente] und die jeweiligen Fundstellen der Dokumente innerhalb der Amtsbuchserie”, womit sie eine wichtige Quelle für die für die Sozial-, Familien- und Wirtschaftsgeschichte der Messestadt Leipzig darstellt.

Digitalisate der Leipziger Testamente jetzt online – zwei Vorträge am 13.11.2025