In einem Citizen-Science-Projekt arbeiten die Sächsische Bibliotheksgesellschaft und die SLUB seit einiger Zeit an der Transkription der Besucherbücher der Kurfürstlich-Königlichen Bibliothek in Dresden aus dem Zeitraum 1753 bis 1813: Bbliotheksgeschichte zum Mitmachen. Der Workflow wurde im vergangenen Sommersemester auch im Rahmen des Datenkompetenz-Seminars im Master-Studiengang Digital Humanities der TU Dresden disktutiert und erprobt. Dimitrij Schäfer stellt im Projektblog des Studienganges die Methodik und beispeilhafte Auswertungsmöglichkeiten der Quelle vor:
Archiv der Kategorie: Citizen Science
Aus der Blogosphäre: Lied der Töpfer, Volkslied, am Tauftage gesungen – Stadtarchivische Sammlungen im Naturalienkabinett Waldenburg
Waldenburg.
Das Historische Naturalienkabinett wurde 1845/46 in der zweiten Etage des Museums eingerichtet. (…) Die hier erlebbare Mischung ist in Deutschland einzigartig: Sie vereint die bürgerliche Gelehrten-Sammlung der Leipziger Apothekerfamilie Linck aus dem 17./18. Jh. mit einer fürstlichen Lehrsammlung des 19. Jh. Bis 1945 kamen weitere Konvolute von Naturalien und Ethnografica sowie Einzelstücke hinzu, die in die einmal gefundene Präsentation integriert wurden.
Die Stadtarchivischen Sammlungen im Naturalienkabinett Waldenburg boten im Juni Anlass für einen Archivbesuch, um Lieder und andere Dokumente einzusehen und Kooperationen auszuloten.
Zu den Schriftstücken zählen neben Chroniken Waldenburgs auch Archivgut aus der Schönburgischen und Waldenburger Kommunalverwaltung, von diversen Vereinen und Verbänden, Tagebücher des produzierenden Gewerbes sowie Chroniken der lokalen Kirchgemeinden. Im Jahr 2017 wurde zu diesem Bestand ein Findbuch durch den Regionalforscher Michael Etzold erstellt, das hier abrufbar ist.
Ein Beitrag im Blog des Naturalienkabinetts dokumentiert den Besuch, gemeinsame Transkriptionen und Ideen.
Link zum Blogbeitrag: https://www.museum-waldenburg.de/blog/detail/ein-ausflug-nach-waldenburg
Lieder – historische Quellen
- Unterschätzte historische Quellen
- Ein Team der SLUB holt die Gattung der ‘Tafellieder’ aus dem Schatten er Forschung.
- Mitforschen & vernetzen
- Flüchtige Ephemera
Quelle: openbiblio.social/@slubdresden, 24. Juli 2026
Schon gewusst? Wikipedia heute: Tafellied
Die Melodie eines Tafellieds sollte unter den Festgästen bekannt sein.
Diese Zeile steht heute auf der Startseite der deutschsprachigen Wikipedia unten in der Rubrik Schon gewusst?, um Neugier zu wecken.1
Der Wikipediaartikel Tafellied ist neu. Er entstand am 14. Juni2 auf Grundlage der Tafellieder in der SLUB3, Transkriptionen mit der Wikisource-Gemeinschaft4, Funden in sächsischen Archiven und Blogbeiträgen, um die Literaturgattung wieder bekannt zu machen.5 Spannend ist vor allem, was seit der Veröffentlichung mit dem Artikel passiert.
Der Artikel wurde am 20. Juni für die Startseitenrubrik Schon gewusst vorgeschlagen und erst skeptisch kommentiert. Die Herausforderung: Es gibt sehr wenig Literatur über Tafellieder, um Aussagen belegen zu können ohne grundlegend neue Forschung zu publizieren. Der Tafellied-Artikel ist gleichwohl ‘Stand der Forschung’. Denn der Text in der Wikipedia wuchs durch die Bearbeitungen und die Recherchen Dritter.6
Solche Dynamiken der Kommunikation und Wissensproduktion sind mit die wichtigsten bzw. wertvolle Wirkungen von Wikipediaartikeln für z. B. landesbibliothekarische Themen aus Sachsen. Tafellieder gab und gibt es in vielen Gegenden, was eine Suche im Archivportal-D beweist.7 Ein räumlicher Schwerpunkt der Erschließung ist seit ein paar Jahren die SLUB Dresden durch uns im Saxonica-Referat und engagierte Kolleginnen im Sächsischen Staatsarchiv.
Neues Tagblatt und General-Anzeiger für Stuttgart und Württemberg, 1897-09-25, Nr. 224, S. 8, via Wikimedia Commons.
Ob Tafellieder in Sachsen8 tatsächlich öfter gedichtet und gesungen wurden als bspw. in Berlin, Wismar, Stuttgart9 und Thüringen10, kann man nicht einfach ableiten. Solche Fragen sind offen.
Für Grundlagenforschung fehlen uns Zeit, Auftrag und Ressourcen: Wir stehen am Anfang der Lernkurve Tafellied und am Anfang der Wissensproduktion. Neugier und Interesse können wir wecken. Die bibliografische Erschließung für die Sächsische Bibliografie läuft.
Wikipedia:
Ein Tafellied ist ein Lied, das für eine bestimmte festliche Gelegenheit gedichtet wird, um gemeinsam bei einer Liedertafel oder sonstigen Tafelrunden gesungen zu werden.11
https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tafellied&oldid=268551514
- De.Wikipedia: Archiv der Rubrik Schon gewusst, 06. Juli 2026, https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite/Schon_gewusst/Archiv. [↩]
- Wikipedia: Tafellied, 14. Juni 2026, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tafellied&oldid=267933637. [↩]
- Daniel Fischer: Tafellieder sind kulturelles Erbe – Sammlung in der SLUB Dresden, Saxorum, 30. September 2025, https://doi.org/10.58079/14tm6. [↩]
- Wikisource.de: Tafellieder, https://de.wikisource.org/wiki/Tafellieder. [↩]
- Thekla Kluttig: Tafellieder – eine noch zu entdeckende Textgattung, SAXARCHIV-Blog, 16. Juni 2025, https://doi.org/10.58079/144tk. [↩]
- Wikipedia: Versionsgeschichte des Artikels ‘Tafellied’, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tafellied&action=history. [↩]
- Archivportal-D: Tafel*lied, https://www.archivportal-d.de/objekte?query=Tafel*lied [↩]
- Beitragsbild: Tafellied und Mundart – in „Keeniglich Säcksische Värsche“, SLUB Dresden, Hist.Sax.H.350,40.g,11 [↩]
- WLB Stuttgart: Neues Tagblatt und General-Anzeiger für Stuttgart und Württemberg, 1897-09-25, Nr. 224, S. 8, http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/kxp1811805795-18970925/page/8. [↩]
- Schulportal Thüringen: Tafellieder – Informationen, Digitalisate und Einsatzmöglichkeiten im Bildungsbereich, 2026, https://www.schulportal-thueringen.de/media/detail?tspi=18946. [↩]
- Günter Kempcke, Ruth Klappenbach, H. Malige-Klappenbach: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. Band 5. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2022, ISBN 978-3-11-257820-9, S. 3681. [↩]
Aus der Blogosphäre: Wikidata – Normdatenquelle auch für private Sammler und kleinere Kultureinrichtungen
In seinem privaten Blog stellt Christian Mahnke die Vorteile von Wikidata gerade für “engagierte private Sammler*innen und kleinere Kultureinrichtungen, wie lokale historische Vereine, private Museen oder Archive” heraus. Er sieht sie in den Bereichen Infrastruktur und Pflegeaufwand, Präsentation und Auffindbarkeit sowie Interoperabilität und Zukunftssicherheit. Sein Fazit:
Für private Sammlungen und kleinere Kultureinrichtungen bietet Wikidata eine Möglichkeit, ihre Sammlungen mit minimalem bis mittlerem Aufwand anzureichern, mit anderen Objekten zu vernetzen und somit in den globalen Kontext zu stellen. Zusätzlich ist es eine kostengünstigste Lösung, um die eigenen Daten zu normalisieren und damit die Sichtbarkeit und den (Daten-) Austausch zu fördern.
Hier im Blog werden wir in Kürze in zwei Beiträgen einige Beispiele vorstellen, wie und wo Wikidata gerade in diesem Kontext aktuell an der SLUB im Einsatz ist, z.B. um die Sichtbarkeit privater Initiativen und von Vereinen zu erhöhen.
Zum Weiterlesen: https://christianmahnke.de/post/authority-data-for-private-collectors/
Beitragsbild: Hintergrundvisualisierung für den 10. Geburtstag von Wikidata, entworfen von der Agentur MOR, Ausschnitt (Wikimedia Commons/Lea Lacroix (WMDE), Lizenz: CC BY-SA 4.0)
Bis heute aktuell: „Erinnerungen 1945|2025“. Ein Rückblick auf eine Literaturreihe zu 80 Jahren 1945
Von Caroline Förster
80 Jahre, das ist ein ganzes Menschenleben. So lange ist es her, dass der Zweite Weltkrieg ein Ende fand. Und doch bewegen uns heute immer noch die Folgen dieses Krieges. Meist sind die Ereignisse mit Erinnerungen verbunden, die in der Familie weitergegeben oder erzählt und gehört wurden. Genau diese vielfältigen Erinnerungen wollten wir, die Städtischen Bibliotheken Dresden und der Dresdner Geschichtsverein e. V., in den Mittelpunkt unserer Literaturreihe „Erinnerung 1945|2025“ stellen. An insgesamt vier Abenden, die von Januar bis Mai stattfanden, beschäftigten wir uns mit gemalter, gespielter, geschriebener und gesammelter Erinnerung.
Den Anfang machte die preisgekrönte Autorin und Illustratorin Barbara Yelin mit ihrer beeindruckenden Graphic Novel Emmie Abel: Die Farbe der Erinnerung. Was bleibt, nachdem man als Kind den Holocaust er- und überlebte? Was ist das für ein Leben? Welche Kraft braucht man dafür? Weiterlesen
Aus der Blogosphäre: Bautzener Schulgeschichte digital erforschen
Schon im April wurde in den Blogs des Vereins für Computergenealogie und des Archivverbundes Bautzen auf ein neues Kooperationsprojekt hingewiesen: die digitale Erfassung möglichst aller Schüler, die zwischen 1642 bis 1937 das Bautzener Ratsgymnasium besuchten. Anlass ist das 2027 zu feiernde 500-jährige Jubiläum der humanistischen Bildung in der Stadt, das sich auf die Gründung der evangelischen Ratsschule 1527 bezieht.
Zwischenzeitlich fand das erste Treffen von interessierten Freiwilligen statt, die an der Erfassung mitwirken möchten. Geplant ist ein Methodenmix aus automatisierter Erfassung und manueller Korrektur, die entstehenden Daten werde über die Software webtrees veröffentlicht.
- Bericht über das Auftakttreffen: https://www.archivverbund-bautzen.de/aktuelles/erstes-treffen-der-buergerwissenschaftler-zur-erfassung-von-schuelern-der-bautzener-ratsschule
- Projektseite im GenWiki: https://wiki.genealogy.net/Schülerverzeichnis_Ratsgymnasium_Bautzen
Beitragsbild: Ansicht des Bautzener Gymnasiums (Bildmitte), Lithographie, um 1840. Vorlage: SLUB, Kartensammlung, KS B8401 (via SLUB/Deutsche Fotothek, Lizenz: Public Domain Mark 1.0)
Anfrage mit Hut. Vom Kauf eines Zylinders in Südostengland zur Biografie eines bekannten Nationalsozialisten
Von Daniel Fischer
Das Referat ‚Saxonica und Kartensammlung‘ der SLUB Dresden steht als Anlaufstelle für alle bereit, die sich für Sachsen, sächsische Landeskunde, Geschichte und Kultur interessieren. Wir bieten individuelle Beratung rund um unsere Bestände und digitalen Angebote.[1] Dazu zählen insbesondere eine umfangreiche Sammlung sächsischer bzw. sachsenbezogener Publikationen, das Regionalportal Saxorum oder Fachdatenbanken wie die Sächsische Bibliografie. Die uns täglich erreichenden Anfragen sind entsprechend vielfältig. Sie reichen von Erwerbungsvorschlägen für Publikationen sowie Erkundigungen zur Nutzung von Beständen und Online-Ressourcen bis hin zu Titelmeldungen für die Landesbibliografie u.v.m. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit uns in Kontakt zu treten:
- SLUB-Kontaktformular
- Terminbuchung in der Wissensbar
- Meldung von Titeln für die Sächsische Bibliografie
- Personenmeldeformular für unsere Personendatenbank
- direkter Mailkontakt via sachsen@slub-dresden.de
- Diskussionsseite unseres Wikimedia-Nutzeraccounts
Immer wieder ins Zentrum des Interesses rücken dabei genealogische Fragestellungen bzw. Anfragen, die sich mit der Erforschung von Biografien historischer Persönlichkeiten beschäftigen. Hier bewegen sich Nutzer:innen auf den Spuren ihrer Vorfahren, rekonstruieren Familiengeschichten oder forschen zu Persönlichkeiten der sächsischen Orts-, Regional- und Landesgeschichte. Wir unterstützen unsere Nutzenden bestmöglich mit Empfehlungen zu Recherchemöglichkeiten in gängigen Onlineportalen, Abfragen einschlägiger Kataloge und Datenbanken, Literaturtipps oder verweisen auf Institutionen für weiterführende Anfragen oder Recherchen, in der Regel andere Bibliotheken, Forschungseinrichtungen, Archive oder Museen.
Eine Hutschachtel als Startpunkt
Im Sommer des Jahres 2023 erreichte uns eine personengeschichtliche Anfrage mit einem durchaus bemerkenswerten, eher außergewöhnlichen Ausgangspunkt: einem Hut, gekauft im Südosten Englands. Der Anfragende war Thom Nelson, der in einem vintage shop seiner Heimat einen Zylinder erstanden hatte, gefertigt in der 1875 gegründeten Hut-Fabrik und Schuhwarenhandlung Richard Schubert in Dresden (Abb. 1, 2).
- Abb. 1: Stempel der Hut-Fabrik und Schuhwarenhandlung Richard Schubert im Inneren des Zylinders. Foto: Thom Nelson.
- Abb. 2: Wohn- und Geschäftshaus am Altmarkt 3 in Dresden mit Eingang zum Geschäft der Hut-Fabrik und Schuhwarenhandlung Richard Schubert rechts. Quelle: Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf. Lizenz: Rechte vorbehalten – Freier Zugang.
In der zugehörigen Hutschachtel fand er einen Besitzstempel (Abb. 3). Demnach hatte der Zylinder im April 1930 einem gewissen Rechtsanwalt Dr. Schreiter, wohnhaft im Dresdener Stadtteil Bühlau/Weißer Hirsch, gehört. Thoms Interesse war geweckt. Er wollte mehr über die Geschichte hinter dem Hut und seinen Besitzer wissen. Mit dem Stichwort „Dresden“ als Anhaltspunkt begab er sich also auf die Suche nach Expertise. Seine Recherche im Internet führte Thom zur SLUB Dresden und somit zum für sächsische Landeskunde zuständigen Referat. Weiterlesen
(Sächsische) Geschichte ehrenamtlich erforschen – aktuelle Ausschreibungen und Veranstaltungen
Der gestern begangene Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust hat einmal mehr die Bedeutung der reflektierten Auseinandersetzung mit Geschichte aufgezeigt. Dies gilt besonders auch für den zivilgesellschaftlichen Umgang mit der Vergangenheit. Um die dafür nötigen Methoden zu erwerben und anzuwenden, gibt es eine Reihe von Förderprogrammen und Schulungen. Hier einige Beispiele für aktuell laufende Ausschreibungen und bevorstehende Veranstaltungen, gerade auch für jüngere Geschichtsinteressierte, in der Reihenfolge der Anmeldungs- bzw. Bewerbungsfristen:
histoCON
Vom 5. bis 8. Mai 2025 wird die histoCON junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren aus der ganzen Welt in Berlin zusammenbringen, um die globalen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs zu erkunden. Achtzig Jahre nach dem Ende des Krieges in Europa bietet dieser Jahrestag eine sinnvolle Gelegenheit, sich mit der komplexen Geschichte des Krieges auseinanderzusetzen – jenseits von Grenzen und nationalen Erzählungen.
Ein Oberfrohnaer Briefwechsel als Palimpsest im digitalen Zeitalter: Eine Datenbank bereitet historische Briefe mit Hilfe von Citizen Scientists auf
Von Andrew S. Bergerson und Laura Fahnenbruck
Briefe aus der NS-Zeit sind vieles: intime Kommunikationsmittel, kostbare Familienstücke, historische Selbstzeugnisse. Sie eignen sich gut, um historische Fragen neu zu denken und unterschiedliche Blickwinkel in und auf vergangene Ereignisse darzustellen. Das trifft auch auf 2.600 Briefe aus Oberfrohna zu, die durch ein Citizen-Science-Projekt veröffentlicht werden.

Darstellung des Briefes OBF-410804-002-01 auf der Webseite von Alltag im Krieg.
„Herzallerliebster mein!! Du!!! Mein lieber, guter [Roland]!“
Interdisziplinäre Zugänge zur Heimatforschung in Sachsen-Anhalt
Eine Rezension zu Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V. (Hrsg.): Konnex. Zeitschrift für Heimat- und Regionalforschung in Sachsen-Anhalt, Bd. 1, Münster: Waxmann Verlag, ISBN 978-3-8309-4810-0, verfasst von Martin Munke
„Heimatforscher. Die Qualifizierung von Engagierten in den Bereichen Ortschronik und Heimatgeschichte stärken, ihre Arbeitsbedingungen verbessern und Nachwuchs gewinnen“ – der Titel eines in den vergangenen Jahren beim Landesheimatbund Sachsen-Anhalt durchgeführten Projektes zeigt eine Vielzahl von Zielsetzungen, die mittlerweile vom aus dem Projekt hervorgegangenen Heimatforschernetzwerk Sachsen-Anhalt adressiert werden. Produkte sind zum Beispiel ein regelmäßig durchgeführtes Schulungsangebot, in dem Heimatforschende mit den Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens vertraut gemacht werden, eine Reihe „Ortschroniken digital“, die auf dem Forschungsdatenrepositorium Zenodo im Open Access veröffentlicht wird – und seit diesem Jahr auch ein neues Zeitschriftenvorhaben, das unter dem Titel „Konnex“ die ehrenamtliche und die professionelle Forschung miteinander verknüpfen will. Dabei sollen „Themen der Heimat- und Regionalforschung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtetet und Verbindungen und Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Zugängen zu diesem Themenfeld sichtbar gemacht werden“.
Die erste Ausgabe entfaltet ein breites Spektrum von inhaltlichen (Rubrik „Neu erforscht“) und methodischen Beiträgen („Bausteine“). Weiterlesen
Citizen Science in Dresden: Projekte und Themen der SLUB
Von Martin Munke
Forschung ist nicht nur etwas für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Universitäten und Hochschulen: In vielen Bereichen profitiert der wissenschaftliche Erkenntnisprozess davon, dass ehrenamtlich Forschende sich aktiv und oft mit großer Leidenschaft einbringen. Andersherum haben solche Citizen Scientists die Chance, tiefe Einblicke in “ihr” Themengebiet zu erhalten und die Forschung in diesem Feld aktiv mitzugestalten. Die Sächsische Landesbibliothek – Staats und Universitätsbibliothek (SLUB) sieht sich als Bindeglied zwischen Forschung und Gesellschaft, das einen solchen Austausch ermöglichen und befördern will. Davon zeugen nicht zuletzt viele Beiträge hier im Saxorum- und nebenan im Open Science Lab-Blog.
Um das Thema Citizen Science/Bürgerwissenschaften am Wissenschaftsstandort Dresden weiter voran und vor allem die verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen über ihre Erfahrungen in Austausch zu bringen, wird am 16. September 2024 im Rahmen der Forschungsallianz DRESDEN-concept ein erster Dresden-weiter Citizen-Science-Workshop stattfinden. Organisiert von UNU-FLORES und der SLUB, treffen wir uns im Open Science Lab zur Diskussion z. B. strategischer und forschungsethischer Fragen sowie zum Austausch über konkrete Projekte und Studien.

Mögliche Anknüpfungspunkte für Citizen Science in Kultur- und Gedächtniseinrichtungen wie der SLUB (Quelle: Projekt “Citizen Enhanced Open Science in Cultural Heritage” via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0)
Hier bietet sich auch die Möglichkeit, einen Einblick in verschiedene Vorhaben der SLUB zu erhalten. Weiterlesen
Was Steine über Geschichte und Gegenwart erzählen
Eine Rezension zu Bernd Gross: Die Botschaft der Hungersteine. Eine kulturhistorische Zeitreise im Flussnetz der Elbe, Dresden: Selbstverlag 2019, verfasst von Thomas Bürger
Hungersteine markieren die Wasserniedrigstände in Flüssen, sie erinnern an Dürre und Not und warnen zugleich: „Wenn du mich siehst, dann weine“. So lautet eine Inschrift auf einem Hungerstein in der Elbe bei Děčín, der elf Tiefwasserstände zwischen 1616 und 1911 dokumentiert. (vgl. S. 124)
Der promovierte Ingenieur, ehrenamtliche Hobbyhistoriker und Wikipedianer Dr. Bernd Gross hat aus Anlass des Elbe-Niedrigwassers 2018 eine umfassende Dokumentation zu Hungersteinen in sechs Ländern und insbesondere zu denen in der Elbe vorgelegt. Er hat sie zumeist selbst fotografiert und sämtlich in Wikipedia veröffentlicht. Das exzellent bebilderte Buch aus dem Jahr 2019 fasst das gesammelte Wissen zusammen, ist jedoch nur in wenigen Bibliotheken greifbar und wurde deshalb jetzt digitalisiert und ist über den Dokumentenserver Qucosa der SLUB Dresden frei zugänglich.
Sommerkurs 24/8 mit Kulturdaten und Edits für die eigene Forschung
Von Jens Bemme
Sommer 1914
Das Merkblatt für die Ortsmuseen im Königreich Sachsen entstand nach dem Kriegseintritt des Deutschen Kaiserreichs in den Ersten Weltkrieg.
SLUBlog, 30. Juli 2018: Ein ‚Merkblatt‘ für die eigene Forschung im Sommer: Fragen gibt es überall
August 2024
Wir editieren im August donnerstags, montags und dienstags ab 8:15 bis circa 10:00 Uhr gemeinsam Kulturdaten, reden und beraten mit anderen von Geschichtsvereinen, Bibliotheken und Archiven (GLAM). Diese digitale Terminserie ab 1.8. ist offen, Vorbereitungen für den Sommerkurs beginnen gerade mit einer Wikiversitätsseite. Wer will, macht dort schon jetzt mit. Dann wachsen im Idealfall Transkriptionen, digitale Editionen, Austausch, Lerneffekte und Kooperationen für neue Projekte im Herbst und Winter. Vorbild ist das regelmäßige Projekttreffen ‘DatenlaubeJam’ für Kulturdaten des Dresdner Geschichtsvereins (dienstags). Überregional richtet sich der Kurs ‘24/8’ an alle, die diese Methoden ausprobieren möchten, denn ‘Fragen gibt es überall‘.
Offene Kulturdaten als Vereinsprojekt – der Dresdner Geschichtsverein im Wikiversum
24/8: Sommerschule, Open Citizen Science, Motivation und Ziele
Ideen für den Sommerkurs bisher:
- Digitale Fertigkeiten vermitteln – für historische Quellen und deren offene Metadaten insbesondere mit Werkzeugen des Wikiversums, z.B. Geschichtsblätter und andere Zeitschriftenartikel, Bilder, Links, Queries für offene Kulturdaten und solche Sammlungen.
- Lernen, editieren, Kontakte knüpfen – ohne (festes) Programm oder Anwesenheitspflicht. Wer dabei sein will, gestaltet mit.
- Forschen und edieren mit Vorgeschichten: Quellen zeigen, transkribieren, erschließen, editieren, verknüpfen, zitieren und benutzen.
- Metaebenen betrachten: Arbeitsweisen, Methoden und Wirkungen reflektieren und Ideen für nächste Schritte und Projekte. Wie könnte dafür Begleitforschung (Q126456157) aussehen?
- Wir nutzen offene und öffentliche Infrastrukturen der Wikimedia-Bewegung und der SLUB Dresden, um Wissen zu teilen, Neugier und Vergnügen.
Kohlenaufgabewagen mit Walzenbrechwerk aus dem Kraftwerk Hirschfelde
LABA ist ein Modelabel und lässt „Kohlenaufgabewagen mit Walzenbrechwerk“ auf T-Shirts und Hoodies drucken, um von Braunkohle und Industrie in der Lausitz zu erzählen. Die technische Zeichnung stammt aus dem Bestand der ‘Stiftung Kraftwerk Hirschfelde‘ und wurde mit dem Landesdigitalisierungsprogramm in der Deutschen Fotothek veröffentlicht.
Gerhard Zschau ist bei LABA Geschäftsführer und Ladenbesitzer. Er ist außerdem Bibliotheksmitarbeiter in Zittau. In Datenblättern des Kraftwerksarchivs stöberte er aber als Modemacher: tausende Bilddateien um neue T-Shirt-Motive mit regionalen Wurzeln zu finden. Für Eisenbahnfans ist das was!
Aber man kann die Geschichte der technischen Zeichnung eines „Kohlenaufgabewagens mit Walzenbrechwerk“ aus vielen Blickwinkeln erzählen: Produkt, Geschichtswissenschaft, Archive & Bibliotheken und mit deren offenen Kulturdaten, oder mit dem Blick auf Bürger:innen (und Geschäftsführer), die forschen – Wissens- und Wissenschaftskommunikation mit Walzenbrechwerk. Was bringt das? Kurz zusammengefasst: Perspektivwechsel, Klicks, Umsatz, neue Ideen und Projekte.
Geschichtswissenschaft
Am 12. Juni 1866 wurde Alwin Brandes in Großschönau geboren. In der Weimarer Republik war der Oberlausitzer „einer der mächtigsten Gewerkschaftsführer der Welt“ (Dr. Stefan Heinz) & gehörte kurze Zeit später zu den bedeutendsten gewerkschaftlichen Widerstandskämpfern gegen das NS-Regime.
Camenzer Wochenschrift – Pressefreiheit mit offenen Daten
Von Jens Bemme mit Daten und Text von Thomas Binder und Christian Erlinger
Als der damalige und leider viel zu früh verstorbene Leiter des Stadtarchivs Kamenz, Dr. Matthias Herrmann, im Frühjahr 2005 das Projekt „Erfassung chronikalischer Daten zur Geschichte der Stadt Kamenz“ begründete, hielt er fest: „Das Kamenzer Tageblatt und die Kamenzer Wochenschrift sind insbesondere für die neuere Zeit, d.h. das 19. und die erste Hälfte vom 20. Jh., äußerst aufschlussreich. Die Arbeitsintensität in der Erschließung ist jedoch beachtlich.“ Sowie: „Um einen raschen Zugang zu bestimmten Ereignissen zu finden, erweist es sich als vorteilhaft, die in Kamenz seit 1822 erschienene Lokalpresse […] auszuwerten. Aus Personal- und Zeitgründen ist das bisher nicht erfolgt. Chronisten müssen bei Recherchen zu einzelnen Themen immer wieder aufs Neue die 123 Jahrgänge durcharbeiten.“ Schon der Heimatforscher Prof. Dr. Willy Muhle bemerkt 1947: „In […] dieser Kamenzer Heimatzeitung ist ein reiches heimatgeschichtliches Material aufgespeichert.“ Dabei ging es beiden nicht nur um die seit 1923 und bis 1939 im Kamenzer Tageblatt erschienene Beilage „Unsere Heimat“, in der Heimatforscher ihre Untersuchungen und Recherchen veröffentlichten, sondern vielmehr neben der tägliche Presserubrik „Oertliches und Sächsisches“ auch die Bereiche „Amtliche Anzeigen“ und der Annoncenteil, wo Herrmann zu Recht Angaben über Firmengründungen und -pleiten, Veränderungen im Leistungsprofil des örtlichen Handels und Gewerbes, Biographisches usw. vermutete.
Damit beginnt ein bislang unveröffentlichter Bericht von Thomas Binder, Archivar in Kamenz. Seit März 2023 veröffentlichen wir gemeinsam digitale Versionen der historischen Wochenschriften: das Stadtarchiv zuvor auf den Webseiten, vor einem Jahr gemeinsam dazu noch die Märzausgaben von 1848 in Wikisource, um die Texte und Daten offen zugänglich und noch leichter benutzbar zu machen. Im Januar 2024 hat Christian Erlinger dazu noch alle anderen PDF der Kamenzer Wochenschrift in Wikimedia Commons gespiegelt sowie mit Metadaten in Wikidata offen erschlossen. All diese Daten kann jede:r selbst ergänzen. Wikisource, Wikimedia Commons und Wikidata sind offene Informationssysteme. Durch deren Verknüpfungen und Benutzung wächst Wissen neu.
Pressefreiheit ab 1848
Aus der ‘Preßfreiheit’ im Königreich Sachsen (und somit in Kamenz) entsteht nun Freies Wissen mit offenen Daten, die für neue Bildungsprojekte mit Schulen, Bibliotheken und Archiven genutzt werden – für und mit Bürger:innen, die recherchieren und forschen.







